Der Geringste der Apostel

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Version vom 23. Juli 2013, 19:00 Uhr von Pcain (Diskussion | Beiträge)
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English: Least of the Apostles

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Von Jerry Bridges Über Biblischen Figuren
Teil der A Pastor's Perspective-Serie

Übersetzung von Monica Ryan

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Im Neuen Testament werden etwa 26 verschiedene christliche Charaktereingenschaften entweder durch Grundsatz oder durch Beispiel gelehrt. Drei davon, Gottvertrauen (als Gegensatz zur Besorgnis oder Beklemmung), Liebe und Demut werden öfters als alle anderen zusammen gelehrt. Da einige der restlichen Eigenschaften – nämlich Mitgefühl, Güte, Sanftheit und Geduld – aus der Liebe und Demut herauswachsen, können wir viel über Apostel Paulus’ Charakter erfahren, indem wir die Studie auf diese drei begrenzen.

Wenn wir uns zunächst Apostel Paulus’ Gottvertrauen anschauen, erinnern wir uns, daß er derjenige war, der an die Gemeinde in Philippi folgende Worte schrieb: ‘Sorget nicht! Sondern in allen Dingen lasset eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden’ (Phil. 4:6). Es steht außer Frage, daß Apostel Paulus ausgiebig Gelegenheit hatte, das zu leben was er predigte, obgleich inmitten unsagbarer Bedrängnis, die er während seines apostolischen Dienstes erdulden musste. Somit hat er die Worte, die in Philliper 4:6 stehen, während der Zeit seiner Gefangenschaft in Rom geschrieben. Ein Beispiel seines Vertrauens an Gott geschah jedoch ein paar Jahre zuvor als Paulus und Silas in der Stadt Philippi predigten und das Evangelium verkündeten: sie wurden aufgrunddessen geschlagen und in den Kerker geworfen (Apostelgeschichte 16:16-40). In den meisten von uns würde so eine Umkehrung der Umstände ein höchstes Maß an Beklemmung auslösen, jedoch nicht bei Apostel Paulus und Silas. Wir lesen stattdessen: ‘Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott’ (v. 25).

Wir wissen nichts über den Inhalt ihrer Gebete, jedoch deutet der Verlauf der Geschichte darauf hin, daß sie Gott dafür dankten, als würdig empfunden zu werden, um für Christus leiden zu können. Somit baten sie Gott, die Umstände so zu nutzen, daß das Evangelium dadurch gefördert werden konnte. Sie hatten volles Vertrauen in Gott.

Wie können wir Apostel Paulus’ tiefes Glück und Gottvertrauen angesichts der schwierigen Umstände in den Gefängnissen von Philippi und Rom rechtfertigen? Mehrere Jahre zuvor schrieb Apostel Paulus folgendes an die Gläubigen in Rom: ‘Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind’ (Rom. 8:28). Apostel Paulus hatte absolutes Vertrauen in der Herrschaft und Güte Gottes. Er kannte die Lehren Jesu in Matt. 10:29 und Lukas 12:6 die besagten: ‘es fällt kein Sperling auf die Erde ohne unseren Vater im Himmel ..’ und ‘.. dennoch ist vor Gott deren nicht eines vergessen’. Er glaubte fest an diesen Ausspruch und nahm es mit der ganzen Kraft seines Wesens an. Apostel Paulus’ Gottvertrauen war tief in seinem Glauben an Gottes Herrschaft und Güte verankert.

Seine Demut basierte auf seine Theologie. Er began sein Erwachsenendasein nicht als Anhänger Jesu. Als wir Apostel Paulus zum erstenmal in der Apostelgeschichte begegnen, finden wir stattdessen einen stolzen, bornierten Pharisär, der die Kirche verwüstete und Männer und Frauen in den Kerker zerrte. Obwohl man sich seinen Charakter anschauen kann, darf man seine Grundpersönlichkeit, die offensichtlich überwältigend war, nicht übersehen. Seine dramatische Begegnung mit dem auferstandenen Christus auf dem Weg nach Damaskus hat sicherlich nichts daran geändert. Im Gegenteil, man sieht ihn kurz darauf kühn den auferstandenen Jesus in den Synagogen von Damaskus verkünden. Man erfährt, wie er Jahre später konsequent mit moralischen Problemen in der Gemeinde von Korinth umgeht und wie er einen Fluch auf die falschen Prediger von Galater, die das Evangelium zu untergraben versuchten ausspricht. Dies bestätigt nochmals, daß Apostel Paulus nichts von seinem starken und aufdringlichen Charakter eingebüsst hat. Nichtdestotrotz war sein Leben als Apostel von einer durchdringenden Demut gegenüber Gott und seinen Nächsten geprägt.

Seine Demut kann vornehmlich an seiner Eigeneinschätzung erkannt werden. Apostel Paulus schrieb im Jahre 55 AD an die Gemeinde in Korinth, wo er von sich sagte, daß er ‘… der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, daß ich ein Apostel heiße, darum daß ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe (1 Kor. 15:9). Als er etwa 5 Jahre später an die Epheser schrieb, sprach er von sich als ‘.. den geringsten unter allen Heiligen … (Eph. 3:8). Am Ende seines Lebens betrachtete er sich als den ‘… vornehmsten unter den Sündern …‘ (1 Tim. 1:15). Dies weist auf einen ziemlichen Entwicklungsprozess seiner Selbstbetrachtung, vom stolzen, selbstherrlichen Pharisär hin zum vornehmsten der Sünder. Nur ein wahrlich demütiger Mensch würde sich mit solchen Worten beschreiben.

Was verwandelte einen einstigen stolzen Pharisär in einen demütigen Apostel Christis? Es war sein Verständnis von der Gnade Gottes. Er begriff, daß Gottes Gnade mehr als nur eine unverdiente Gefälligkeit ist. Er war der Meinung, daß er sie weder verdiente, noch sei er ihrer würdig. Er war sich im Klaren darüber, daß er ohne Christus den Zorn Gottes verdient hätte. Stattdessen wurde er aber zum Vorboten dessen, was er einst zu vernichten versuchte. Deswegen ergänzte er seinen Eigenurteil als der geringste aller Apostel mit den Worten ‘ .. aber von Gottes Gnadebin ich, was ich bin ..’ (1 Kor. 15:10). Deswegen sagte er auch ‘.. mir, dem Allergeringsten unter allen Heiligen, ist gegeben diese Gnade ..’ (Eph. 3:8). Er sah sich als das Paradebeispiel der Gnade Gottes und seine Theologie der Gnade bewirkte diese Demut.

Wie verhielt es sich in seinem Leben mit der Liebe zum Nächsten? Wenn man an seine starke, aufdringliche Persönlichkeit zurückdenkt, so müsste man feststellen können, ob diese sich durch den Einfluss der Liebe in seinem Leben gemäßigt hat? Hat sich dieser Charakterzug in der Persönlichkeit jenen Menschens, der in 1. Korinther 13 die Liebe auf so einer schönen Art und Weise definiert hat, auch gezeigt? Einsicht in vier seiner Briefe an verschiedenen Gemeinden lassen dies deutlich erkennen.

An die Gläubigen in der Gemeinde in Philippi schrieb Apostel Paulus: ‘Denn Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlangt von Herzensgrund in Jesu Christo’ (Phil. 1:8). Und an die Gemeinde in Thessaloniki schrieb er: ‘.. Aber wir sind mütterlich gewesen bei euch, gleichwie eine Amme ihr Kind pflegt.’ (1 Thess. 2:7). Somit finden wir in der Gestalt des Apostel Paulus einen wundervollen Paradox, eine starke Persönlichkeit geköpelt mit einem weicheren, aus Zuneigung und Sanftmut bestehenden Charakterzug.

Sicherlich waren Philippi and Thessaloniki zwei von Apostel Paulus’ ‘besseren’ Gemeinden. Man könnte sagen, daß es relativ einfach war, diejenigen zu lieben die ihm genauso Liebe entgegenbrachten. Aber was war mit den Problemgemeinden – Korinther und Galater – die Apostel Paulus soviel Kummer bereiteten? Zeigte sich seine Liebe auch für diese Gemeinden? Aus den Briefen an diese beiden Gemeinden besteht kein Zweifel daran, daß Apostel Paulus ziemlich streng mit ihnen umging. An die Gemeinde in Korinth schrieb er ‘Denn ich schrieb euch in großer Trübsal und Angst des Herzens mit viel Tränen; nicht, daß ihr solltet betrübt werden, sondern auf daß Ihr die Liebe erkennet, welche ich habe sonderlich zu Euch’ (2 Cor. 2:4). Und an die Gemeinde in Galater schrieb er ‘Meine lieben Kinder, welche ich abermals mit Ängsten gebäre, bis daß Christus in euch eine Gestalt gewinne’ (Gal. 4:19). Es war seine Liebe für die Menschen dort und seine Pein, die Apostel Paulus dazu bewegten, so streng mit ihnen umzugehen. Heutzutage würde man das ‘harte Liebe’ nennen. In Wahrheit ist ‘Harte Liebe’ aber am schwierigsten einzusetzen, weil es dem Menschen, der es durchzuführen versucht, am meisten zusetzt.

Worin lag der Grund für Apostel Paulus’ innige Liebe für die Gemeinden? Es entsprang einem tiefen Verständnis von Gottes Liebe. Apostel Paulus war sich der Liebe Gottes zu ihm so sehr bewusst, daß er nicht anders konnte, als für Christus zu leben und seinen Nächsten wie Christus zu lieben. Er liebte die Gemeinden in Korinther und Galater, weil Chistus auch ihn liebte. So kann man wieder erkennen, daß Charakter aus unserer eigenen Thelogie enspringen kann. Weil Apostel Paulus’ Theologie tief in Christus’ Liebe verankert war, konnte es in seinem Charakter wiederspiegelt werden und er war in der Lage, anderen dieselbe Liebe zu geben, die ihm von Christus entgegengebracht wurde.