Die Traditionen der Menschen

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Version vom 24. August 2009, 16:25 Uhr

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English: The Traditions of Men

© Ligonier Ministries

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Von Jerry Bridges Über Heiligung und Wachstum
Teil der Tabletalk-Serie

Übersetzung von Andreas Repp

Jede Sozialstruktur besitzt Regeln, die zulässiges und unzulässiges Verhalten ihrer Mitglieder definieren. Ein Gewerbe oder eine Schule kann eine Kleiderordnung haben. Sportwettkämpfe werden von Regeln bestimmt. Alle Regierungsinstanzen haben Rechtsvorschriften. Gut funktionierende Familien haben Haushaltsregeln, die in mündlicher Form von Eltern zu Kindern ausgeübt werden. Viel mehr aber, gibt es Regeln von Gott für Sein Volk, die uns in der Bibel gegeben sind. In Psalm 119 werden diesen Regeln unterschiedliche Namen gegeben, so wie „Gesetze“, „Satzungen“, „Vorschriften“ und „Gebote“.

Wenn Regeln so gewöhnlich sind und alle Strukturen der Gesellschaft umfassen, wieso ist das Thema über das Gesetz oft so emotional geladen und spaltend unter Christen? Weshalb werden wir so angespannt, wenn es um Haushaltsregeln in der Familie Gottes geht? Ein Grund ist, dass wir unsere Regeln den Regeln Gottes hinzufügen. Wie die Pharisäer zurzeit Jesu, versuchen wir Gott zu helfen, indem wir menschengemachte „tu das und tu das nicht“ zu seinen Geboten hinzufügen.

Und dennoch, Jesus tadelte die Pharisäer streng für das Lehren von menschlichen Geboten als Glaubenslehren (das heißt, als Gottes autoritäres Gesetz; Mk. 7:5-8). Sein Tadel bleibt für uns gültig, weil wir genauso oft versuchen, menschengemachte Regeln auf das Niveau der Schrift zu erheben. Wenn wir dies tun, sind wir im Binden von Gewissen schuldig, wo Gott nicht gesprochen hat. Wir können dies praktischen Legalismus nennen.

Woher kommen diese menschengemachte Regeln? Viele begannen mit, wie es jemand nannte, „Schranken“. Eine Schranke ist eine gut gemeinte Einschränkung, die uns hilft, richtige Sünde zu vermeiden. Eines Nachts, allein im Hotelzimmer, schaltete ich durch die Fernsehkanäle auf der Suche nach harmloser Unterhaltung. Offensichtlich war das keine Sünde. Wie auch immer, ich stoppte bei einem Film, der sich als sexuell anregend erwies. Das Programm regte meine sündhafte Natur an. Infolge des Ereignisses, errichtete ich eine persönliche „Schranke“. Ich legte für mich selbst fest, nicht das Fernsehen einzuschalten, wenn ich alleine bin, es sei denn ich habe ein bestimmtes Programm zum Schauen.

Ich vermute die meisten Christen haben in diversen Bereichen ihres Lebens ihre eigenen Schranken aufgebaut. Persönliche Schranken sind an und in sich selbst nicht schlecht. Sie können uns helfen wirkliche Sünde zu vermeiden. Sie können uns aber in den Legalismus führen, wenn wir sie auf das Niveau des Gesetzes Gottes erheben – das heißt, wenn wir unsere eigenen, persönlichen Einschränkungen auf jeden anderen anwenden.

Ich glaube, beispielsweise, dass die Bibel Mäßigkeit an Stelle von Abstinenz hinsichtlich alkoholischer Getränke lehrt. Allerdings haben viele von uns entschieden, Enthaltsamkeit zu üben, auf Grund des weitverbreiteten Missbrauchs von Alkohol in unserer Gesellschaft. Das ist eine Eingrenzung, die wir gebaut haben und sie ist absolut legitim, solange wir sie nur auf uns selbst anwenden. Aber wenn wir diejenigen richten, die Mäßigkeit statt Abstinenz ausüben, haben wir unsere persönlichen Überzeugungen auf das Niveau des Gesetzes Gottes erhoben. Wir praktizieren Legalismus.

Der Apostel Paulus stellte sich zu seiner Zeit einer anderen Frage von praktischem Legalismus, die er „Entscheidung zweifelhafter Fragen“ (Röm. 14:1) nannte. Es gab offensichtlich zwei Streitfragen – das Essen von Fleisch und die Beachtung von bestimmten, ungewöhnlichen Tagen (Röm. 14:2,5). Die Antwort Paulus war doppelt. Zuerst müssen wir erkennen, dass Gott uns die Freiheit gegeben hat, unterschiedliche Meinungen auf Fragen zu haben, die die Schrift nicht anspricht. Zweitens, richten oder verachten wir nicht diejenigen, deren Meinungen sich von unserer unterscheiden.

Das Richten anderer zu unterlassen, deren Handlungen sich von unseren unterscheiden, ist eines der schwierigeren zu bewältigenden Dinge. Wir finden es schwierig zu glauben, dass etwas, was wir für uns selbst als Sünde betrachten, nicht als Sünde für jedermann gilt. Dennoch schrieb Paulus, „Ein jeder aber sei in seinem eigenen Sinne völlig überzeugt“ (Röm. 14:5).

Heutzutage ist es für Leute üblich lässige Kleidung zur Kirche zu tragen. Ich wuchs in einem Zeitalter auf, wo die Leute ihre „Sonntagskleidung“ zum Gottesdienst trugen. Demzufolge hegte ich eine verurteilende Haltung gegenüber diejenigen, die mit lässiger Kleidung in die Kirche kamen. Ich betrachtete es als einen Mangel an Ehrerbietung zu Gott. Letztendlich musste ich feststellen, dass dieses Thema nicht in der Schrift angesprochen wird und ich anderen die Freiheit gewähren muss, die Gott ihnen gewährt. Anderenfalls rutsche ich in den Legalismus.

Einige Meinungsverschiedenheiten, sowie beispielsweise Kleidung, zielt auf die Generation ab. Andere sind geografischer Natur. Ich bin in einer Kirche aufgewachsen, in der es jugendlichen Jungen und Mädchen untersagt war, zusammen Schwimmen zu gehen. Allerdings war es für Frauen absolut in Ordnung sich Kosmetik aufzutragen. Später als junger Erwachsener diente ich in einer Gemeinde an der Westküste, die genauso konservativ war, wie die Gemeinde in der ich aufwuchs. Hier sind die jungen Leute regelmäßig zusammen zum Strand gegangen als Teil ihrer Jugendaktivitäten. Dagegen wurden Frauen, die Kosmetik trugen, als „weltlich“ betrachtet. Ich bin sicher, dass irgendwo in der Vergangenheit die Leiter beider Gemeinden, die diese Restriktionen einführten, gute Gründe hatten, dies zu tun. Aber sie haben in Wirklichkeit ihre Regeln Gottes Anordnungen gleichgestellt.

Ich nehme an, dass die Gemeindeleiter, die die Entscheidung trafen, dass es für jugendliche Jungen und Mädchen Sünde ist, gemeinsam schwimmen zu gehen, es auf Grund der Gefahr der lustvollen Anblicke taten. Dies ist wirklich eine Sünde vor der Jesus in Matthäus 5:27-28 besonders warnte. Allerdings betrifft die Regel für das gemeinsame Schwimmen nicht die weit aus gefährlicherer Gewohnheit der Jugendlichen, alleine in einem geparkten Auto zu sitzen und sich gegenseitig zu küssen und zu streicheln.

Dies hebt ein anderes menschengemachtes Problem von Regeln hervor. Zusätzlich zum Binden unserer Gewissen in Bereichen, in denen Gott nicht gesprochen hat, wird oft das reale Problem verfehlt. Regeln können einfach nicht jede Situation abdecken. Junge Männer können dutzend andere Plätze als einen Swimming-Pool finden, um ihre lustvollen Blicke zu frönen, abgesehen von dem Problem des geparkten Autos. Anstelle vom Aufstellen einer Regel über das Schwimmen mit dem anderen Geschlecht, müssen wir jungen Leuten helfen, Überzeugungen aus der Bibel über sexuelle Reinheit zu entwickeln. Wir können sie auf solche Schriftstellen wie 2.Timotheus 2:22 hinweisen – „Fliehe der Lüste der Jugend“ – und ihnen helfen, Situationen zu identifizieren, von welchen sie fliehen müssen. Wenn wir das tun, helfen wir ihnen jegliche Situation zu erkennen und sich von diesen fernzuhalten, in welchen ihre sexuellen Lüste stimuliert werden könnten.

Die Lösung zu all dem praktischen Legalismus aus menschgemachten Regeln ist das Entwickeln und das Lehren von bibelbasierten Überzeugungen. Wenn die Bibel eine Handlung nicht verbietet, sollte es keiner von uns tun. Zur gleichen Zeit, sollten wir uns darauf richten, was die Bibel lehrt. Zum Beispiel betont die Bibel die Wichtigkeit der Selbstkontrolle. Sie lehrt uns, ob wir essen oder trinken, wir sollten alles zur Ehre Gottes tun (1.Kor. 10:31). Die Person, die sein Glas Wein trinkt, sollte es zur Ehre Gottes tun und der Mensch der sein Steak isst, sollte es zur Ehre Gottes tun.

Daher, ob es das Schauen eines Fernsehprogrammes ist, das Schwimmen mit dem anderen Geschlecht oder das Tragen von Kosmetik, wir können immer diese biblische Regel anwenden: Kann ich dies zur Ehre Gottes tun? Und dann müssen wir die Tatsache akzeptieren, dass gemäß Paulus in Römer 14, die Antwort auf die Frage unterschiedlich für unterschiedliche Personen sein kann. Das ist dir Art, wie wir praktischen Legalismus aus menschgemachten Regeln vermeiden können.