Mutter unser, die Du bist im Himmel?

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English: Our Mother Who Art In Heaven?

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Von Tony Reinke Über Kultur

Übersetzung von Sven Peter

Mit dem Kinostart des Films „Die Hütte“, werden wir an einen ganzen Mix von theologischen Fragen erinnert, die durch den Roman aufgeworfen wurden, und das Göttliche jetzt auch auf eine Leinwand projizieren wollen. Eine der Hauptfiguren im Buch ist zum Beispiel eine Frau namens Papa, welche die Rolle von Gott dem Vater spielt. Ihr Charakter entfacht wieder Fragen über die göttliche Identität und die Wortwahl der Geschlechter.

"Ich bin weder männlich noch weiblich", enthüllt sich Papa im Roman, "obwohl beide Geschlechter aus meiner Natur abgeleitet sind. Wenn ich mich entscheide Dir als Mann oder Frau zu erscheinen, dann weil ich dich liebe. Ich erscheine Dir mit Absicht als Frau um lasse mich von Dir Papa nennen, einfach um Metaphern zu vermischen, um Dir zu helfen damit Du nicht so leicht in deine religiöse Konditionierung zurückfällst."

Mit religiöser Konditionierung meint der Autor den, aus seiner Sicht, Fehler, dass Gott hauptsächlich in sprachlich männlichen Metaphern wiedergegeben wird. Sollten wir also, wenn es um göttliche Titel für Gott geht, mehr einschließend und Geschlechtsvermischend sein?

Unbeabsichtigt hat uns ein Student aus den Niederlanden kürzlich etwas Ähnliches gefragt:

Neulich habe ich jemanden auf meiner Universität getroffen welche mich von der Existenz einer weiblichen Göttin – Gott die Mutter – überzeugen wollte und dazu verschieden Bibelstellen benutzte. Ich hatte mir zuvor niemals Gedanken dazu gemacht und wusste deshalb auch nicht wich ich Ihr antworten sollte. Als Christ glaube ich nicht das dies stimmen kann. Aber wie kann ich es anhand der Bibel beweisen?

Dies ist, auf vielen verschiedenen Ebenen eine gute Frage, und der Impuls ist richtig: Die Bibel titelt Gott niemals als unsere Mutter. Aber die Frage ist es Wert sorgfältiger betrachtet zu werden, denn in dutzenden von Stellen verwendet die Bibel feminine Sprache für Gott.

Feminine Passagen

Es lohnt sich vorneweg die Worte Jesus zu gebrauchen "Gott ist Geist" (Johannes 4:24). Gott ist kein sexuelles Wesen, noch ist er ein biologischer Mann. Er ist Geist. "Von Ewigkeit her," sagt John Piper, "hat Gott keinen physischen Körper und deshalb hat er keine männlichen Eigenschaften: Gesichtsbehaarung, Muskulatur, männliche Genitalien, keine Y-Chromosomen, keine männlichen Hormone. Der Begriff männlich ist ein biologisches Wort, und Gott ist kein biologisches Wesen "(Auszug aus dem Podcast: Frage Pastor John, Folge 294).

Doch auch ohne biologischen Körper hat Gott sich in der Schrift entschlossen, sich sowohl durch maskuline wie feminine Sprache zu Offenbaren. In der Tat wird Gottes Charakter und seine Handlungen an mindestens 26 Stellen durch feminine Bilder offenbart:

Aber auch zusammengenommen erlauben uns diese Beweise nicht zu "unserer Mutter, im Himmel" zu beten und dafür gibt es mindestens drei zwingende Gründe.

1. Stille in Titeln

In seinem Buch Unser Vater im Himmel: Christlicher Glaube und Inklusive Sprache für Gott, veröffentlichte John Cooper die Schlussfolgerungen aus seinem Studium dieser Passagen. Eine seiner hauptsächlichen Entdeckungen war, dass weibliche Metaphern für Gottes Wirken tatsächlich gelegentlich verwendet werden, um den zärtlichen und pflegenden Charakter Gottes zu veranschaulichen, jedoch enthält keine dieser Referenzen weibliche Namenstitel für Gott. Cooper erklärt;

Linguistisch sind alle klaren und plausiblen Fälle von weiblichem Bezug auf Gott entweder Bilder oder Redewendungen: Gleichnisse, Analogien, Metaphern und Personifikation.... Es gibt keine Fälle, in denen feminine Begriffe als Namen, Titel oder Aufrufungen Gottes verwendet werden, und so gibt es keine femininen Pronomen für Gott. Es gibt keine Fälle, in denen Gott direkt von einem femininen Begriff identifiziert wird, noch ein metaphorisches Prädikat-Nomen. Mit anderen Worten, Gott wird niemals direkt als eine Mutter, eine Geliebte oder ein weiblicher Vogel angesprochen ganz anders wird von Ihm gesprochen als Vater, König, Richter oder Hirte. (Seite 89)

Das erklärt, warum wir in der Schrift viele männliche Titel für Gott finden: Herr, Vater, König, Richter, Retter, Herrscher, Krieger, Hirte, Ehemann und sogar eine Handvoll metaphorisch maskuline Titel wie Fels, Festung und Schild. Während feminine Titel für Gott - Königin, Dame, Mutter und Tochter - nie benutzt werden.

2. Die Bedeutung der Menschwerdung

Das zweite zwingende Argument ist die Trinität. Natürlich markiert der fleischgewordene Jesus die Ankunft des "God-man" („Gott gewordener Mensch in männlicher Form“ auf deutsch) in der Menschheitsgeschichte. Anders als der ewige Gott (der nicht-biologisch ist) tritt Jesus als Inkarnation auf die Erde und nimmt die biologische Männlichkeit als Sohn Gottes an. Von diesem Punkt an, da sich die Natur Gottes immer deutlicher offenbart – spezifischer indem die Konturen der Trinität im Neuen Testament auftauchen und sich die Vater-Sohn Dynamik immer mehr entwickelt, finden wir einen scharfen Abfall weiblicher Metaphern für Gott.

Diese trinitarische Entfaltung erklärt, warum ein Großteil der weiblichen Sprache für Gott im Alten Testament gefunden wird. In den Worten Cooper`s: "Da die Bibel allmählich Gott als Vater, Sohn und Heiligen Geist und Jesus als den Messias, den Sohn Gottes, offenbart, erhöht sich die weibliche Bildsprache für Gott nicht, sondern tritt zurück in den Hintergrund" (90).

3. Feminine Metaphern für Männer

Drittens, wie der Theologe John Frame hervorhebt, ist es nicht ungewöhnlich, in der Schrift feminine Bildsprache, welche absichtlich auf Männer angewendet wird, zu sehen (wie in 2 Samuel 17: 8). Das macht insofern im positiven Sinn, als das heute oft von der femininen Seite von Männern gesprochen wird; und gemeint damit gemeint ist, dass Männer vermehrt Stärken wie z.B. Sanftmut, welche meistens eher Frauen zugeordnet werden, zeigen sollen (ja sollten!).

Die Sorge des Apostels Paulus` über das Wachstum seiner Kirchen war für ihn wie der Schmerz der Geburt eines Kindes (Galater 4:19). Und Paulus apostolische Sanftmut war so etwas wie die Freundlichkeit und Geduld einer stillenden Mutter (1 Thessalonicher 2: 7). Offensichtlich wird Paulus` Männlichkeit nie durch diese weiblichen Metaphern in Frage gestellt.

Dies gilt auch für markante Passagen wie das Versprechen des Blühens in Zion, welches in Jesaja 60:16 mit Worten der Säugung "an der Brust der Könige" dargestellt ist. Frame zieht die Schlussfolgerung, "Während die Schrift diese weiblichen Metaphern (von Geburt und Pflege) für Gott nützt; so gibt es uns dennoch keinen Anhalt über Gott als weiblich zu denken, genau so wenig wie diese Könige Frauen sind "(Lehre von Gott, 381-382).

"Meine Schlussfolgerung aus diesen biblischen Bezügen ist, dass es ein paar feminine Bilder von Gott in der Schrift gibt, aber sie schlagen keine sexuelle Ambivalenz in der göttlichen Natur vor. Sie rechtfertigen, noch geschweige erlauben den Gebrauch von "Mutter" oder femininen Pronomen für Gott "(383).

Ein Wort für Frauen

Schlussfolgerung: sind Männer göttlicher? Absolut nicht.

"Alles, was in der Frau geschaffen wurde und sie vom Mann abhebt, kommt von Gott und spiegelt etwas von ihm wieder", betont Piper. "Die Frau wurde nicht nach einem anderen Gott modelliert. Es gibt keinen anderen Gott. Sie wurde nach Gottes Ebenbild modelliert. Wenn die Bibel sagt, dass sie und er im Bilde Gottes erschaffen wurde, bedeutet das, dass sie auch nach dem Vorbild ihres Schöpfers gemacht wurde. Es ist aber wichtig zu betonen, dass in seinem essentiellen göttlichen Wesen, Gott nicht auf seine inkarnierte Form der Vereinigung mit der Menschheit Bezug genommen werden sollte, sondern in seinem essentiellen, göttlichen Wesen ist Gott weder männlich noch weiblich. Männlichkeit und Weiblichkeit sind Gottes Schöpfung, als biologische Träger der Männlichkeit und Weiblichkeit, die beide in Gott verwurzelt sind " (fragen Sie Pastor John, Folge 294).

Und doch sind Gottes selbstgewählte Titel wichtig. Maskuline Titel für Gott sind nicht der Beweis für "religiöse Konditionierung", sondern das Produkt der Selbstoffenbarung Gottes. Gott hat sich entschieden, sich selbst durch männliche Titel zu offenbaren, und wir erhalten diese Titel durch den Glauben, in den Worten des Theologen Bruce Waltke "Es ist unentschuldbare Anmaßung, ja Gotteslästerung seitens von sterblichen, die Bilder ändern zu wollen durch welche sich der ewige Gott entschlossen hat sich zu Repräsentieren/Offenbaren" (alttestamentliche Theologie, 244).

Gott, der Vater, ist Geist. Er macht Mann und Frau in seinem eigenen Bild, obwohl er selbst nicht männlich oder weiblich ist. Er zieht es vor, uns seine eigene Natur durch maskuline Titel und manchmal in weiblichen Metaphern zu manifestieren. Wir können all diese Unmöglichkeiten dem Versuch hinzufügen Gott den Vater auf eine Leinwand projizieren zu wollen.