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Von E. Bradley Beevers Über Wort
Teil der Journal of Biblical Counseling-Serie

Übersetzung von Thomas Menz

Kürzlich sah ich mir den Film Aladdin an. Als guter Zuschauer versetzte ich mich in die Rolle des Helden. Als ich danach über den Film nachdachte, stellte ich mir eine Frage: Was könnte ich mir wünschen, falls Gott mir drei Wünsche frei gäbe? Mir kam sofort die Geschichte von Salomons Traum in den Sinn. Gott fragte ihn, was er wollte, und er bat um Weisheit, um Israel regieren zu können. Würde ich auch um Weisheit bitten? Mir fiel jedoch ein, dass ich nicht in der Verantwortung stünde, Israel zu regieren wie er. Vielleicht wünschte ich mir Heiligkeit. Doch dann verwarf ich die Gedanken aus meinem Kopf.

Einige Tage später jedoch kam die Wunschidee zurück. Ich glaubte, etwas gefunden zu haben, was ich mir wünschen könnte. Ich wünschte mir, etwas zurück nehmen zu können, was ich gesagt hatte; eine gedankenlose Bemerkung, nicht feindschaftlich gemeint, aber sündig, unfreundlich – sogar dumm. Falls Sie einen Wunschgutschein am Ende des Tages bekämen, wie oft tauschten Sie ihn ein, um etwas ungesagt zu machen, das über ihre Lippen gekommen ist? Es gäbe viele Zeiten, an denen Sie solch einen Gutschein verwenden könnten. Sie haben zum Beispiel versucht, ein wenig Konversation zu machen, aber Sie machten einen dummen Witz oder Kommentar, der jemanden beleidigte, mit dem Sie sprachen. Sie waren nervös, also redeten Sie weiter, aber Sie merkten, dass Sie nur schwätzten. Wieder Zuhause waren Sie gereizt und Sie reagierten heftig auf Ihren Zimmergenossen, Ihren Ehepartner oder Ihre Kinder. Oder, nachdem Sie einen Fehler begingen, versuchten Sie, ihn zu erklären; aber je mehr sie redeten, umso schlimmer wurde es. Und die Liste könnte fortgeführt werden. Wie wahr doch Jakobus 3 ist: „Denn wir verfehlen uns alle mannigfaltig. Wer sich aber im Wort nicht verfehlt, der ist ein vollkommener Mann und kann auch den ganzen Leib im Zaum halten!

Die Schrift ermahnt uns, unsere Sprache Ernst zu nehmen. Der Kampf um die Zunge ist der Kampf um das Leben eines Christen. Jesus beschrieb einmal den Tag des Gerichtes als die Zeit, an dem alle Menschen Rechenschaft ablegen müssen „von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben“ (Matthäus 12:36). Der Gebrauch unserer Sprache macht den Unterschied aus zwischen den Geretteten und den nicht Geretteten, sagte er. „Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden“ (Matthäus 12:37). Die Sprache ist so wichtig, weil sie offenbart, wer Sie sind. Gute Bäume tragen gute Früchte und schlechte Bäume tragen schlechte Früchte. Jeder Mensch bringt das hervor, was in ihm ist; „Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser bringt Böses hervor aus dem bösen“ (Lukas 6:45). Deswegen ermahnt Paulus jene Menschen, die den alten Menschen abgelegt haben: „Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören“ (Epheser 4:29).

Böse Rede bedeutet nicht, gerade dann zu reden, wenn Sie still sein sollten oder Dinge zu sagen, von denen Sie sofort wünschen, sie nicht gesagt zu haben. Einige Dinge, die wir sagen, sind aus anderen Gründen schlecht. Zum Beispiel bestimmen wir durch mancherlei Rede, ob es gut oder schlecht ist, wann wir wen unter welchen Umständen etwas fragen, und mit welchem Ton in der Stimme es gesagt wird. Im anderen Extremfall unterscheiden wir „schlechte Sprache“ vom Rest der Sprache; „schlechte Sprache“ ist von Natur aus schon schlecht. Es spielt keine Rolle, ob wir etwas zur falschen Zeit oder zur falschen Person sagen. Solch „bösartige Rede“ ist immer falsch und sollte vom Gläubigen immer vermieden werden.

Denken Sie über Folgendes nach. Schlechte Rede ist immer bösartig, und Christen tun gut daran, sie zu vermeiden. Aber was macht diese Rede böse? Es geht nicht darum, dass über Dinge geredet wird, über die Sie nicht reden sollten. Sie ist böse, weil sie eine oberflächliche, blasphemische oder perverse Weltanschauung ausdrückt. Zum Beispiel ist „verdammt“ nicht immer ein Fluch; im angemessenen Sinne bezieht es sich auf eine göttliche Handlung. Gott verdammt die Gottlosen in die Hölle. Wenn die Welt dieses Wort als einen Fluch benutzt, spielt sie Gottes Urteil herunter und macht es lächerlich. Ein anderes Beispiel zeigt, wie Ungläubige sogar versuchen, „Gott“ und „Jesus Christus“ als weltliche Ausdrücke für Schrecken und Zorn zu verwenden.

Ich habe absichtlich zwei Beispiele gewählt, die hervorheben, wie eine pervertierte Weltanschauung aus einem Ausdruck einen Fluch macht. „Verdammt“ oder „Jesus Christus“ können entweder Flüche sein oder in rechter Weise gebraucht werden. Die meisten Flüche und Obszönitäten jedoch sind nicht so flexibel; sie sind immer blasphemisch oder pervers. Die Weltanschauung ist eingebaut. Die Ausdrücke selbst zeugen von Rebellion und Unglauben – nicht in dem, was sie beschreiben, sondern in der Interpretation, die in der Beschreibung enthalten ist. Zum Beispiel drücken die meisten Obszönitäten feindselige und/oder unmoralische Haltungen mit Worten aus, die auf den natürlichen Funktionen des menschlichen Körpers basieren. Das Was wurde von Gott geschaffen; die böse Interpretation degradiert und pervertiert, was Gott schuf. Es gibt keinen Weg, diese Worte gerecht zu benutzen; sie müssen einfach vermieden werden. Die Bibel erkennt diese pervertierte Weltanschauung. Niemand, der im Geist Gottes lebt, kann sagen: „Verflucht sei Jesus“ (1. Kor. 12:3). Andere Beispiele sollten vielleicht noch nicht einmal genannt werden, denn „es ist schändlich, das auch nur zu erwähnen, was die Ungehorsamen im Verborgenen tun.“ Christen erkennen in der Regel solch ein Vokabular und solche Redensarten als Ausdruck einer ungläubigen Weltanschauung und behandeln ihre Verwendung richtigerweise als sündhaft.

Aber schlechte Redensarten sind nicht die einzigen Ausdrücke, die auf einer ungläubigen Weltanschauung basieren. Viele unserer alltäglichen Beschreibungen und Definitionen stimmen unterschwellig mit den ungläubigen Denkweisen überein. Wie Flüche haben auch Beschönigungen eine eingebaute Weltanschauung. Wenn die Welt Ehebruch als „Affäre“ bezeichnet, hat sie dann nicht die Beschreibung verdreht, um jegliche moralische Bewertung und Entrüstung zu beseitigen? Und der Ersatzbegriff wurde nicht willkürlich aus dem Wörterbuch gewählt. „Ehebruch“ hört sich sündhaft an; „Affäre“ hört sich beinahe spaßig an. Die Welt hält ständig Ausschau nach Wegen, die ihr Verhalten normal, akzeptabel und richtig erscheinen lassen. Der Ersatzbegriff „Miteinander schlafen“ für außerehelichen Geschlechtsverkehr beseitigt jegliches Gefühl für Missbilligung. „Sexuell aktiv“ beinhaltet, dass Zurückhaltung passiv, abgestumpft oder schwach ist. Was einst als „Sodomie“ bezeichnet wurde (von seiner ersten Erwähnung in Genesis 19), wurde zuerst „Homosexualität“, dann „schwul“, dann lediglich eine „sexuelle Vorliebe“ oder ein „alternativer Lebensstil“. Heute wird sogar die moralische Entrüstung über solche Perversionen abschätzig als „Homophobie“ bezeichnet.”


Ein Schritt weiter

Diese Beispiele sind bestens bekannt, und ihr unbiblisches Vorurteil ist offensichtlich. Christen müssen (und tun dies auch oft) ihre Zunge hüten, um nicht die Sichtweise der Welt auf subtile Weise zu untermauern oder sich ihr auszuliefern. Aber gehen wir noch tiefer. Allen Bereichen, in denen durch die Sprache Rebellion und Unglauben ausgedrückt werden, muss in ähnlicher Weise begegnet werden. Bis jetzt habe ich nichts Unterschwelliges angegriffen. Sowohl die Lästerungen als auch die „politisch korrekten“ Definitionen basieren offensichtlich auf einer antichristlichen Weltanschauung. Lassen Sie uns nun einen etwas weniger offensichtlichen Fall angehen: wie Menschen ihre Sprache benutzen, um die Verantwortung für ihr Handeln zu reduzieren. Erstens bedenken Sie einmal, wie die Welt über offensichtliche Sünden spricht. Wir leben in einer Gesellschaft, in der das exzessive Ausgeben von Geld allgemein üblich ist. Doch hören wir selten den Begriff „Habgier“, um dies zu beschreiben. Solch ein Lebensstil ist nur „bequem“. Verhaltensmuster des Ungehorsams sind „Probleme“, keine Sünden. Murren und Klagen bedeutet zu „sagen, was ich fühle“ oder „ehrlich zu sein“. Sogar in der Gemeinde nennen wir die böse Rede übereinander „Mitteilen“ oder „Rat suchen“ anstatt Tratscherei oder Verleumdung.

Wir müssen verstehen, was sich hier abspielt. Worte beschreiben nicht nur; sie interpretieren. Wenn wir ein Wort wie Tratsch gebrauchen, kommen uns viele biblische Bilder und Ermahnungen in den Sinn – und das sollten sie auch. Wenn wir die selbe Handlung in einer eher „neutralen“ Weise zu beschreiben versuchen, beschreiben wir es in Wahrheit auf eine unbiblische Weise. Gottes Beschreibungsformen sind nicht neutral. Die wissenschaftliche Denkart kann uns dazu bringen, über die Neutralität zu denken, wie es uns gerade gefällt. Das ist jedoch nicht so. Wir leben in einem Universum, das mit der Stimme Gottes angefüllt ist. Alles, was er geschaffen hat und über das er regiert, spricht zu seiner Herrlichkeit. Es offenbart ihn. „Neutralität“ ist in Wahrheit eine Auslieferung an den Unglauben. Es ist die Ablehnung, aus der Perspektive Gottes heraus zu sprechen und zu denken. „Neutrales“ Reden ist das Versagen, einer verlorenen Welt die Wahrheit Gottes zu verkünden und sie zur Buße zu rufen. Ist es nicht eine Verkündigung der Wahrheit und Perspektive Gottes, in einem Gespräch mit einem Arbeitskollegen das Wort Ehebruch oder Unzucht anstelle von eher neutralen Begriffen zu verwenden? Funktioniert der Begriff „alternativer Lebensstil“, um sein Gewissen zu beruhigen und Gottes Überzeugung zum Schweigen zu bringen? Unsere Sprache muss Gottes Interpretation gegen das rebellische Denken der Welt bekräftigen; wir sind nicht „neutral“; wir sind für ihn. Selbst Ungläubige sind nicht „neutral“; sie sind gegen ihn. Unsere Sprache muss das widerspiegeln, sodass „ob wir essen oder trinken, oder was immer wir tun, wir es zur Herrlichkeit Gottes tun.”

Die Sprache der Welt minimiert die Verantwortung, wenn sie Gefühle und Verhaltensmuster beschreibt. Diese wichtigen Themen sind Gegenstand der öffentlichen Aufmerksamkeit. Aber wenn sie über sexuelles Verhalten spricht, verändert die Welt ihre Worte, um die Aufmerksamkeit von Verantwortung und Sünde abzulenken. Erstens lenkt die Welt die Aufmerksamkeit von ihrer Verantwortung ab, indem sie so redet, als sei die Situation und nicht die Person der Handelnde. „Es machte mich so zornig.“ „Sein Verhalten machte mich bitter“. „Du machst mich ärgerlich“. „Der starke Leidensdruck zog mich von meinem Verlangen nach Gott weg“. Angeblich gibt es nichts, was man gegen unsere Reaktionen tun könnte. Da sie direkt aus der Situation heraus resultieren, sind sie in Wahrheit ein Teil davon. Sie sind halt da.

Zweitens lenkt die Welt die Aufmerksamkeit von ihrer Sünde ab, indem sie eine “neutrale” Beschreibung der Erfahrung sucht. Zum Beispiel erkennen Christen den Unterschied zwischen Hoffnungslosigkeit, Enttäuschung, Traurigkeit, Depression, Schuld, Angst, Zorn und Kummer. Biblisch betrachtet sind alle voneinander verschieden. Jedes Wort umschreibt etwas Besonderes, und jede Emotion wird leicht in einen moralischen Kontext eingebettet. Der Ungläubige bündelt sie alle in einer (von der Beschreibung her wertlosen) neutralen Kategorie wie „emotional erschöpft“ oder „durcheinander“. Verhaltensmuster der Sünde, die die Menschen dazu bringen, zu kämpfen, sind „Persönlichkeitskonflikte“ (an denen man nichts tun kann). Gewohnheiten der Sklaverei unter sündhaften Verhaltensmustern sind „Krankheiten“, unwiderstehliche „Zwänge“, „Süchte“. Solche Worte ignorieren die Perspektive Gottes auf diese menschlichen Erfahrungen. Sie lassen die Denkweise der Welt über Emotionen, Handlungen oder Meinungen normal und natürlich erscheinen. Die Schritte weg von der biblischen Perspektive sind oftmals subtil. Ich eben nur schlecht gelaunt, nicht wirklich unfreundlich, lieblos oder hasserfüllt. Ich bin „entmutigt“; ich habe nicht die wahre Perspektive oder meine Glaubenkraft verloren. Wie wir an diesen Beispielen klar erkennen können, gibt es keinen Weg, um neutral zu reden. Der Ungläubige, der dies tun will, gibt sich Mühe, sein böses Verhalten zu rechtfertigen; sogenannte Neutralität ist ein Deckmantel für Rebellion und den Hass auf Gott.

Aber warten Sie eine Minute. Wir hören diese Beispiele nicht nur in der Fabrikhalle oder im Büro, sondern auch in der Gemeinde. Wir sollten es besser wissen. Warum sind sie so beliebt? Was ist an diesen Worten so unwiderstehlich? Lassen Sie mich eine mögliche Erklärung anbieten. Neutrale Beschreibungen sind für den Ungläubigen attraktiv, weil sie seine Rebellion rechtfertigen. Sie lassen die Sünde normal erscheinen. Natürlicherweise wirkt sich diese sündige Dynamik auch attraktiv auf den Gläubigen aus. Sie nährt das fleischliche Verlangen nach Selbstmitleid und Selbstgerechtigkeit. Aber es gibt einen anderen Grund. Oftmals können situative Faktoren, innere Kämpfe, Versuchungen, Gedanken, Wünsche, Sehnsüchte und Erfahrungen in lebendigen Details beschrieben werden. „Am Freitag Nachmittag, nach einer anstrengenden Woche, rief mich mein Chef ins Büro. Innerhalb von fünf Minuten war ich gefeuert, und das aus den nichtigsten Gründen. Ich wusste kaum, was ich tun sollte. Ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern, das Büro verlassen zu haben. Ich wollte weglaufen; ich wollte ihn zusammenschlagen. Ich wollte kündigen. Ich saß nur schockiert an meinem Schreibtisch. Ich war total außer mir; so eine Frechheit! Die nächsten drei Tage fühlte ich mich teilweise wie verprügelt, teilweise wollte ich ihn töten. Ich konnte nicht schlafen. Ich konnte an nichts anderes mehr denken. Es war solch ein schwerer Schlag. Ich musste aufhören, an ihn zu denken; jedes Mal, wenn ich es tat, würde ich wieder durchspielen, was ich ihm gesagt hätte und es schüttelte mich vor Zorn.“ Wir hören diese Beschreibung und denken: „Ja, genauso war es!“ Die Sorgfalt ist entwaffnend. „Diese Person versteht wirklich, worum es geht.“ Vorsicht! Diese Beschreibungen sind außergewöhnlich lebendig. Natürliche und fleischliche Reaktionen werden mit großer Detailgenauigkeit dargestellt. Geistliche Kämpfe nicht. Lebendige Details sind nicht neutral; sie besitzen eine eingebaute Weltanschauung.

Die Beschreibung dieses Freitag Nachmittags hätte sehr verschieden ausfallen können. „Als ich dieses Büro verließ, sah ich mich der unglaublichsten Versuchung des Zorns ausgesetzt, welche ich in den letzten drei Jahren, in denen ich hier gearbeitet hatte, erlebt habe. Ich war schockiert. Ich erinnere mich vage daran, ein Gebet um Hilfe gemurmelt zu haben, als ich sowohl das überdachte, was er mir gesagt hatte und als ich meinen Zorn bekämpfte. Plötzlich kam mir ein Bibelvers in den Sinn: ‚Gott gibt mit der Versuchung auch einen Ausweg, sodass du in der Lage bist, es zu tragen’. Meine Situation wurde mir klar, als wenn der Herr ein Licht in einem finsteren Raum angezündet hätte. Ich wusste, dass ich an einem Scheideweg stand. Ich konnte an meiner Bitterkeit, meinem Zorn und meiner Enttäuschung festhalten. Ich könnte weglaufen. Ich könnte meine Arbeitsstelle ohne ein weiteres Wort an ihn verlassen. Ich könnte Bitterkeit und Hass in meinem Herzen tragen. Oder ich könnte tun, was Jesus getan hätte. Ich könnte freundlich reagieren; ich könnte Böses mit Gutem vergelten. Ich könnte für ihn beten. Ich könnte am Montag freundlich gelaunt zurückkommen und meinen Schreibtisch aufräumen.“ Was ist der grundlegende Unterschied zwischen diesen beiden Beschreibungen? Sie haben es erfasst. Die erste gibt vor, neutral zu sein, während sie in Wahrheit die fleischliche Perspektive beschreibt. Sie ignoriert alles christliche: Gottes Absicht, seine Perspektive, den geistlichen Charakter der Versuchung, der Kampf, Hoffnung und die richtige Antwort, die Lösung für das Problem zu finden. In diesem Prozess rechtfertigt die erste Beschreibung den Zorn und die Depression subtil als natürlich. Und aus einer gewissen Sicht betrachtet sind solche Reaktionen tatsächlich natürlich. Aber seit Christus uns gerettet hat, sind wir nicht länger „der natürliche Mensch“, der die Dinge des Geistes Gottes nicht versteht. Eine sorgfältige Beschreibung ist großartig; geistliche Kämpfe müssen in lebendigen Einzelheiten beschrieben werden, sodass unsere Lehre praktisch ist und das wirkliche Leben widerspiegelt. Aber eine wahre sorgfältige Beschreibung beinhaltet auch eine sorgfältige Auslegung. Wir müssen das gesamte Bild richtig verstehen.


Ein Beispiel, an dem wir arbeiten: “Ich fühle mich niedergeschlagen”

Wie können Sie beginnen, böse Rede zu erkennen und Buße darüber zu tun? Beginnen Sie mit kleinen Schritten. Lassen Sie uns mit einem speziellen Beispiel arbeiten. Sollten Christen den Ausdruck „Ich fühle mich niedergeschlagen“ benutzen? „Niedergeschlagen sein“ ist ein neutrales Wort, um Traurigkeit oder Depression auszudrücken. Es kann vermutlich oft als ein Mangel an Hoffnung und Glauben übersetzt werden oder als das Fokussieren auf unangenehme Situationen, denn auf Gottes souveräne Fürsorge, oder als Murren. „Ich fühle mich niedergeschlagen“ nimmt sämtliche Anzeichen weg, dass bei diesem Gefühl ein moralisches Problem besteht. Viele von uns wären ziemlich überrascht, wenn ein Freund uns sagte, wir sollten Buße tun, wenn wir ihm mitteilten, dass wir uns „niedergeschlagen“ fühlen! In der allgemeinen Vorstellung sind wir nicht mitgenommen, weil mit uns etwas nicht stimmt. Wir sind es halt. Etwas stimmt nicht mit der Situation; wir reagieren normal. Das gilt für uns alle, wenn wir mit Leuten reden, die „niedergeschlagen“ sind. Für gewöhnlich fragen wir: „Was ist passiert?“, eher als dass wir fragen: „Warum gehst du in dieser Weise mit dem um, was dir dort passiert ist?”

Achten Sie auf einige andere Dinge, die diesen Ausdruck betreffen. Erstens ist er vage; er kann viele verschiedene Gefühle beschreiben – Depression, Zorn, Hoffnungslosigkeit, Sorge, Kummer, Groll, Schuldgefühle, Selbstmitleid. Zweitens ist die Erklärung, warum wir so fühlen, unzureichend. Der Fokus liegt beinahe ausschließlich auf der Situation; die anderen inneren Gedanken oder Zustände, die uns dazu geführt haben, dass wir uns mitgenommen fühlen, werden nicht berücksichtigt. Wir könnten es im Diagramm wie folgt aufzeichnen: Situation ➡ Emotion. Der entscheidende mittlere Begriff wird weggelassen: Situation ➡ Person ➡ Emotion. Das ist wieder eine Neutralisierung! Indem wir den Ausdruck „Person“ weglassen, macht es keinen Unterschied mehr, ob die Situation einem Gläubigen oder Ungläubigen passiert, sei es Jesus selbst oder dem schlimmsten Sünder. Richtig und falsch hören auf, Kategorien zu sein, in denen wir denken. Dies ist nicht annähernd so wahr wie mit den eher spezifischen Worten, die oben aufgeführt sind. Wenn ein Mensch sagt, dass er über den Tod seines Vaters bekümmert ist, wissen wir, dass er traurig ist, weil er einen Verlust erfahren hat. Die Reaktion ist gut. Falls er jedoch sagt, dass er hoffnungslos, depressiv oder voller Selbstmitleid über diesen Tod sei, sollten wir anders reagieren! Spezielle Ausrücke geben uns entscheidende Informationen über die Person. Wir können besser reagieren und eine biblische Perspektive einbringen. Die Welt versäumt dies komplett. Falls jemand „niedergeschlagen“ ist, bietet sie nur eine inhaltslose Sympathie und ein kraftloses „Lass’ mal, das wird schon wieder“ an. Da ist keine Hoffnung auf eine wirkliche Lebensänderung, keine Lösung, wie es das nächste Mal besser laufen könnte.

Spricht die Bibel nicht von diesen Gefühlen des „Niedergeschlagenseins“ in Bezug auf die Person, auf Gott, auf das, was richtig ist, als einfach nur von der Situation? Beachten Sie zum Beispiel die Psalmen 42 und 43. Wenn der Psalmist „niedergeschlagen“ und „beunruhigt“ ist, ist er dies nicht, weil er nicht länger mit der Masse zum Haus Gottes geht. Es ist nicht, weil er von seinen Feinden, betrügerischen und ungerechten Menschen, verspottet wird. Diese Dinge passieren. Aber der Grund seines Leidens ist, dass seine Seele nicht auf Gott hofft. Er würde sich selbst nicht als „niedergeschlagen“ bezeichnen. Er sieht es klarer: „Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ Der Mittelpunkt des Psalms besteht darin, dass er nach Gott dürstet wie ein Hirsch nach frischem Wasser.

Wie sehr sich doch dieses Bild von der Schuldzuweisung und dem Selbstmitleid der weltlichen Sprache unterscheidet! Das Vokabular des Psalmisten zeigt, dass er sein Herz sorgfältig studiert; er erkennt das wahre Problem und fragt Gott nach einer Lösung. Dies ist das Ziel für unser eigenes Vokabular! Ihre Sprache muss nicht nur das unerfreuliche Gejammer der Welt vermeiden, sondern die geistliche Situation und Ihre eigenen Reaktionen zutreffend widerspiegeln. Aber dies ist nur der Anfang! Wir benötigen ein vollständiges christliches Vokabular; in jedem Detail unseres Lebens müssen wir wie Christen handeln. Das bedeutet nicht, dass wir eine in sich zurückgezogene „Ich bin heiliger als du“-Christensprache entwickeln, die uns für die Welt weniger zugänglich macht. Unser Ziel ist eher eine Sprache, die die Wahrheit Gottes über uns selbst und sein Universum verkündet – eine Sprache, die die falsche Sprache der Welt vermeidet.


Ein weiteres Beispiel, an dem wir arbeiten: “Weil”

Weil. Es ist ein einfaches Wort. Aber es drückt eine Menge aus. Wir benutzen dieses Wort, wenn wir darüber reden wollen, was unser Verhalten bewegt oder uns motiviert: Warum habe ich das getan? Ich tat es, weil…. Sagt u s die Bibel irgendetwas darüber, warum wir so handeln, wie wir es tun? Lehrt sie uns darüber, was unsere Reaktionen hervorruft? Natürlich tut sie das. Unsere Taten offenbaren die Motive unserer Herzen. Falls die Gedanken und Absichten des Herzens böse sind, dann reflektiert dies unsere Sprache und unser Verhalten; falls das Herz rein ist, sind unsere Handlungen auch rein. Obwohl dies nur eine kurze Zusammenfassung ist, passt alles, was die Bibel über Beweggründe oder Motive sagt, in diese Struktur.

Das ist der Punkt. Alle unsere Worte, genauso wie alle unsere Taten, reflektieren entweder den Gehorsam oder den Ungehorsam gegenüber Gott. Böse Sprache ist jede Sprache, die etwas kommuniziert, was falsch oder ungöttlich ist. Worte zeichnen eine Weltanschauung; sie drücken aus (oder verraten), was wir praktisch glauben; unsere Handlungen zeigen, was wir glauben. Lukas 6:45 sagt dies sehr klar: „Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser bringt Böses hervor aus dem bösen. Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ Wir können uns nicht verstecken; unsere Worte verraten uns. Unsere Pflicht ist es, so zu arbeiten, dass unsere Worte, wie alle unsere Taten, biblisch sind; sie wenden die biblische Lehre an.

Nehmen wir ein Beispiel. Bob und Sue unternehmen gemeinsam eine Wanderung. Zufälligerweise vergessen sie eine der Feldflaschen im Auto. Sie sind auf einem schwierigen Weg, und es ist ein heißer Tag. Nach ungefähr eineinhalb Stunden geht ihnen das Wasser aus. Sie gehen die Hügelkette entlang, und es gibt keine Flussläufe. Sie wandern noch eine weitere Stunde, bis sie zu einem Straßenschild kommen. Bob erkennt, dass sie ihre Abzweigung vor 45 Minuten verpasst haben müssen. Sue sagt: „Großartig. Ich hatte wirklich eine tolle Zeit. Vielen Dank, dass du mich hierher gebracht hast.“ Bob, ein wenig überrascht wegen ihres Sarkasmus, sagt nichts. Sue erkennt, was sie gesagt hat und bietet eine Erklärung an: „Entschuldigung. Ich habe das nur gesagt, weil:

Sie können sich vielleicht vorstellen, dass jede dieser Reaktionen wirklich passiert. Aber welche ist richtig? Welche sollten Sie von einem Gläubigen in dieser Situation erarten können? Sehen Sie sich die Liste noch einmal an. Welche Antworten sind in Ordnung?

Die korrekte Antwort ist: “Keine von ihnen.” Warum? Weil keine von ihnen eine angemessene biblische Erklärung für Sues Verhalten anbietet. Das Sie Bob anfährt, ist falsch; es ist sündhaft. Vielleicht gibt es Gründe für ihre Müdigkeit, ihren familiären Hintergrund oder ihre beziehungsmäßigen Gewohnheiten. Sie bilden zweifellos die besonderen Versuchungen, denen sie sich gegenüber sieht. Aber sie erklären nicht, warum sie mit Enttäuschung reagiert. Sue reagiert ohne Zweifel anders, weil sie müde ist, weil ihr heiß ist, weil sie aus einer bestimmten Familie kommt oder weil sie einen schweren Tag hatte. Aber keins davon bewirkt, biblisch gesehen, ihr sündhaftes Verhalten. Nichts davon sagt uns, warum sie unfreundlich war. Deswegen sollte sie nicht sagen: „Ich habe so gehandelt, weil…“, und dann die Gründe anführen, die im Grunde Entschuldigungen sind.

Wir erinnern uns, dass wir bemerkten, dass der Psalmist über sein Verhalten nachdachte und es studierte. Versuchen Sie, wie er zu sein. Versuchen Sie, Bobs und Sues Situation aus der Weltanschauung eines Gläubigen heraus zu betrachten. Was löste das Verhalten aus? Erinnern Sie sich an unser obiges Diagramm? Situation ➡ Person ➡ Aktion (dort eine Emotion, hier ein Verhalten). Die Bibel lehrt, dass Sues Verhalten nicht aus der Situation herauskommt, sondern von der Person, die auf die Situation reagiert. Deswegen werden „Warum“-Fragen nicht mit dem Bezug auf die Situation beantwortet; sie müssen mit Bezug auf die Person beantwortet werden. Warum hat Sue sarkastisch herumgenörgelt? Nicht, weil ihr heiß und sie durstig war, sondern weil sie die daraus resultierende Mühe und Unannehmlichkeit nicht wollte.

Lassen Sie mich ein einfaches Beispiel nennen, das ich als Kind in der Sonntagsschule lernte. Ein Mensch ist wie ein Schwamm; unsere Lebensumstände drücken den Schwamm zusammen. Was kommt aus einem Schwamm heraus, wenn Sie ihn zusammendrücken? Nun, es kommt darauf an, was sich zuvor in dem Schwamm befand. Falls der Schwamm mit Tinte gefüllt war, kommt Tinte heraus; falls er mit Wasser gefüllt war, kommt Wasser heraus. So ist es mit dem Gläubigen. Wenn Sie mit dem Leben Jesu gefüllt sind, so reagieren Sie auf die unangenehmen Umstände in einer christusähnlichen Weise. Falls Sie jedoch angefüllt sind mit Weltlichkeit und selbstsüchtigem Verlangen, dann wird dies von Ihrem Verhalten widergespiegelt. 2. Kor. 4:6-18 sagt dies klar. Wir besitzen den Schatz des Lichtes der Herrlichkeit Gottes, das in unsere Herzen schien, ein Schatz in tönernen Gefäßen. Weil wir die alles übertreffende Macht Gottes besitzen, werden wir nicht zermalmt, verzweifelt oder zerstört, wenn wir unter Druck geraten. Vielmehr wird das Leben Jesu in unserem sterblichen Körper offenbart. Wir verlieren nicht unser Herz, obgleich wir äußerlich immer schwächer werden, denn wir werden inwendig jeden Tag erneuert. Unser Licht und unsere jetzigen Schwierigkeiten erhalten ein ewiges Gewicht der Herrlichkeit, wenn wir auf das Ungesehene schauen, das ewig ist.

Die Umstände drücken auf den Schwamm. Tinte kommt heraus. Warum? Es gibt zwei mögliche Antworten: (1) weil der Schwamm zusammengedrückt wurde (kam Tinte heraus), oder (2) weil Tinte im Schwamm war (kam Tinte heraus). Die biblische Antwort auf die „Warum“-Frage ist die zweite. Gott interessiert sich mehr als anderes andere für die Frage, warum Tinte herauskam. Und das aus einem guten Grund! Ist das nicht die wirkliche Frage in Sues Situation? Die Frage ist nicht: „Warum reagierte Sue?“ Sie reagierte, weil sie ein lebender Mensch ist! Jedes Mal, wenn Sie handeln, kommt etwas dabei heraus. Aber die wirkliche Frage ist: „Warum reagierte Sue auf diese Weise? Warum kam das heraus?“ Sues oben genannte Erklärungen sind verschiedene Arten zu sagen: „Tinte kam heraus, weil der Schwamm zusammengedrückt wurde.“ Die Erklärung der Bibel lautet immer: „Tinte kam heraus, weil Tinte drin war.“ Scharfe, lieblose Worte werden nicht durch Hitze, Wassermangel, Müdigkeit, familiären Hintergrund oder das Bob die Wasserflaschen vergessen hat, hervorgerufen. Sie werden durch ein ungeheiligtes Herz hervorgerufen.


Leiden, Verhalten und Sprache

Dieses Modell bringt eine größere biblische Frage auf. Was ist die Beziehung zwischen komplizierten und peinlichen Situationen (oder angenehmen) und Verhalten? Die klarste Antwort ist, dass die Situation wie die Kulisse oder der Hintergrund in einem Theaterstück ist. Sie ist das Bühnenbild, aber nicht die Handlung. Falls uns gesagt wird, dass die Szene auf einem Bahnhof beginnt, wissen wir noch nichts über die Handlung! Sie könnte beängstigend, fröhlich oder traurig sein. Dies ist der Fall mit unseren Situationen. „Ich wuchs in einer Familie mit Missbrauch auf“ könnte eine Geschichte von Gottes Treue und Erlösung oder eine Geschichte, die sich auf Selbstmitleid und Klagen konzentriert, einleiten. Jede Situation hat ihre charakteristischen Versuchungen, aber das Drama wird vom Herzen durchgespielt. Lesen Sie dazu 5. Mose 8:2-6:

Und gedenke des ganzen Weges, den dich der HERR, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit kundwürde, was in deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht. Er demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit Manna, das du und deine Väter nie gekannt hatten, auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht. Deine Kleider sind nicht zerrissen an dir, und deine Füße sind nicht geschwollen diese vierzig Jahre. So erkennst du ja in deinem Herzen, dass der HERR, dein Gott, dich erzogen hat, wie ein Mann seinen Sohn erzieht. So halte nun die Gebote des HERRN, deines Gottes, dass du in seinen Wegen wandelst und ihn fürchtest..

Dies war eine harte Situation! Und indem er die Landschaft zum Bühnenbild oder Hintergrund machte, war es Gottes Absicht, sein Volk zu demütigen, zu prüfen und zu lehren. Die Passage geht weiter:

Denn der HERR, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Brunnen und Seen sind, die an den Bergen und in den Auen fließen, ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt, ein Land, wo du Brot genug zu essen hast, wo dir nichts mangelt, ein Land, in dessen Steinen Eisen ist, wo du Kupfererz aus den Bergen haust. Und wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den HERRN, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat. So hüte dich nun davor, den HERRN, deinen Gott, zu vergessen, sodass du seine Gebote und seine Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, nicht hältst. Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst und deine Rinder und Schafe und Silber und Gold und alles, was du hast, sich mehrt, dann hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und du den HERRN, deinen Gott, vergisst, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft,... Du könntest sonst sagen in deinem Herzen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir diesen Reichtum gewonnen.” (5. Mose 8:7-14,17).

Dies ist eine andere Situation; das vollständige Gegenteil der ersten. Aber der Fokus Gottes liegt noch auf dem Herzen. Beide Umstände prüfen sein Volk. Die Prüfungen sind verschieden. Das Elend in der Wüste (z. B. Bob und Sue auf dem Weg ohne Wasser!) drücken uns in einer gewissen Weise zusammen. Wird dabei Murren oder Glauben herauskommen? Das verheißene Land (z. B. Bob und Sue zurück beim Auto mit einer Flasche frischen Wassers) drückt in anderer Weise. Werden sie Gott vergessen oder ihm zu danken? Das Problem ist immer, ob Gottes Kinder gerecht oder sündhaft reagieren. Das ist das Thema, über das Gott spricht. Die Situation ist der Hintergrund; sein Interesse ist die Handlung. Er will wissen, ob die Person richtig reagiert oder nicht.

Lassen Sie uns einen anderen biblischen Kommentar zu dieser Zeit im Leben Israels ansehen – 1. Kor. 10:1-13:

„Ich will euch aber, liebe Brüder, nicht in Unwissenheit darüber lassen, dass unsre Väter alle unter der Wolke gewesen und alle durchs Meer gegangen sind; und alle sind auf Mose getauft worden durch die Wolke und durch das Meer und haben alle dieselbe geistliche Speise gegessen und haben alle denselben geistlichen Trank getrunken; sie tranken nämlich von dem geistlichen Felsen, der ihnen folgte; der Fels aber war Christus. Aber an den meisten von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen, denn sie wurden in der Wüste erschlagen. Das ist aber geschehen uns zum Vorbild, damit wir nicht am Bösen unsre Lust haben, wie jene sie hatten. Werdet auch nicht Götzendiener, wie einige von ihnen es wurden, wie geschrieben steht (2.Mose 32,6): »Das Volk setzte sich nieder, um zu essen und zu trinken, und stand auf, um zu tanzen.« Auch lasst uns nicht Hurerei treiben, wie einige von ihnen Hurerei trieben: und an einem einzigen Tag kamen dreiundzwanzigtausend um. Lasst uns auch nicht Christus versuchen, wie einige von ihnen ihn versuchten und wurden von den Schlangen umgebracht. Murrt auch nicht, wie einige von ihnen murrten und wurden umgebracht durch den Verderber. Dies widerfuhr ihnen als ein Vorbild. Es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf die das Ende der Zeiten gekommen ist. Darum, wer meint, er stehe, mag zusehen, dass er nicht falle. Bisher hat euch nur menschliche Versuchung getroffen. Aber Gott ist treu, der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr's ertragen könnt.“

Das sind tiefgründige Lehren. Bedenken Sie die Situation! Versetzen Sie sich in Israels Position. Wie reagierten Sie, wenn Sie nur einen Satz Kleidung dabei hätten (der sich niemals abnutzt!), kein ständiges Obdach, Unsicherheit, was die Zukunft betrifft, Hitze, Sand, Gefahr von kriegerischen Nachbarn, oftmals kein Wasser und niemals eine Änderung in der Ernährung oder im Tagesablauf. Das ist hart! Wir würden Kämpfe mit Unzufriedenheit erwarten. Zumindest fühlten wir uns geneigt, einem Menschen, der sich beklagt, Verständnis entgegen zu bringen. Können Sie sich vorstellen, wie es einer kleinen Gebetsgruppe in der Wildnis ergangen wäre? Sie hätten gerade begonnen, sich niederzulassen und ihre Zelte gemütlich aufgestellt. Plötzlich hätte die Wolke sich bewegt, und alles hätte aufspringen und weiterziehen müssen! Das ist hart.

Aber wo liegt der Fokus Gottes im Kommentar vom 1. Kor.? Er ignoriert die „mildernden Umstände“ vollständig. Er sieht nur ihre Klagen, wie sie ihn prüfen, wie sie in Unmoral schwelgen, wie sie nach bösen Dingen und Götzenanbetung verlangen. Er erwähnt nicht einmal die Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert waren. Und das aus einem guten Grund. Gott ist an der Handlung interessiert. Er warnt die Korinther – und uns, dieses Drama nicht in unseren eigenen besonderen Hintergründen zu wiederholen. Der Hintergrund ist nur der Hintergrund. Dasselbe Drama kann sich in einer Umgebung abspielen, die absolut nichts mit dem Sinai zu tun hat. Es kann sich in unserem Leben abspielen. Bei der Frage, was sündhaftes Verhalten hervorruft, sind die Umstände unerheblich. Vielleicht beklagen wir uns mehr, wenn die Dinge schwierig sind oder wir sind arrogant, wenn sie gut laufen; aber wir sind immer in Gefahr, in diese Sünden zu fallen, weil sie nicht von der Situation hervorgerufen werden. Sowohl Murren als auch Prahlerei kommen aus einem sündigen Herzen.

Es gibt oftmals die Versuchung, zu denken, dass diese sündhaften Reaktionen sowohl von unserem sündhaften Herzen als auch von schwierigen Umständen hervorgerufen werden. Dies ist die unterschwellige Versuchung der Selbstgerechtigkeit: sich selbst die Schuld zu geben, aber nur teilweise; etwas Verantwortung übernehmen, aber nur etwas. Denken Sie an Gottes Kommentar über Israels Wüstenwanderung zurück. Dort gibt es keinen Hinweis auf diese „zweifache“ Verantwortung. In der Tat, wie könnte das auch sein? Schauen Sie erneut in 5. Mose 8. Wahrscheinlich wäre das Volk Israel auch ohne Feinde, Hunger, Durst und nach einer schnellen Reise sicher ins verheißene Land gekommen. Aber Gott sagte, dass er die Schwierigkeiten gesandt hatte, um Israel zu prüfen, „um zu erkennen, was in ihren Herzen ist.“ Falls wir sagen, dass Israel sich beklagte, weil sie Sünder waren und weil ihre Umstände hart waren, machen wir teilweise Israel und teilweise Gott verantwortlich. Das kann nicht sein! Israel konnte das verheißene Land nur aus einem Grund nicht betreten: sie hatten gesündigt.

Warum ist das wichtig? Weil wir alle Sue mögen. Wir neigen dazu, sündhaftes Verhalten zu erklären, indem wir über die Situation reden. Wir sagen, wir taten etwas, weil… und geben nicht zu, dass unsere Herzen der einzige Grund sind. Ist das so schlecht? Ja! Es ist unterschwellig; aber diese Behauptungen über Gründe und Motive sind ein Angriff auf Gottes Wahrheit. Wir entschuldigen uns selbst zur Hälfte und können so keine rechte Buße tun. Indem wir mehr auf die Umstände als auf uns selbst hinweisen, werden wir des Glaubens beraubt, dass die Dinge wirklich anders laufen können. Umstände könnten wieder unangenehm werden. Sue hat keine Garantie, dass sie und Bob sich auf der nächsten Wanderung nicht wieder verlaufen würden (oder auf dem Rückweg). Falls sie deswegen unfreundlich war, wird es wieder geschehen. Aber in Christus hat sie eine größere und realistischere Hoffnung. Sie hat das Evangelium, das sie verändern kann. Sie und Bob könnten sich wieder verlaufen; aber wenn sie vom Heiligen Geist verändert wurde, muss Bob keine unfreundlichen Worte fürchten – noch nicht einmal die inwendige Enttäuschung und die fehlende Liebe, die sie ausdrücken! Gottes Ziel ist es, dass Sue in der nächsten, ähnlichen Situation in der Lage ist, mit Freude, Frieden, Geduld und Liebe zu reagieren. Vielleicht lacht sie darüber und genießt sogar die Wanderung zurück! Vielleicht hält sie es ohne Klagen aus und trinkt am Ende der Wanderung Wasser, während sie Gott dankt.

Gottes Weg ist richtig. Unsere Wege sind dumm. Wir müssen uns darin entwickeln und es beherrschen, in jedem Bereich unseres Lebens entsprechend seiner Wahrheit zu leben. Der Gebrauch von „weil“ ist eine kleine Sache. Aber unsere halben Selbstentschuldigungen, unsere seichten Bußbekenntnisse und unser Kleinglaube, weil unser Ziel eher aus Bequemlichkeit als aus Christusähnlichkeit besteht – dies sind größere Probleme und sie kommen häufig vor. Besonders das Training unserer Lippen kann uns helfen, diese ernsteren Herzensprobleme anzugehen.

Hier ist meine Aufgabe. Hüten Sie Ihre Zunge für die nächsten paar Wochen; achten Sie darauf, wie Sie „zerschlagen“ und andere zweifelhafte Kategorien verwenden, um Ihre Gefühle zu beschreiben. Durchdenken Sie das, was Sie fühlen, denken und tun, indem Sie es in einen Kontext zu dem stellen, was zwischen Ihnen und Gott geschieht. Achten Sie darauf, wie Sie das Wort „weil“ verwenden. Wenn Sie sich selbst dabei ertappen, dass Sie darüber reden, wie „hart“ oder „schmerzhaft“ die Umstände waren, stoppen Sie sich selbst und konzentrieren Sie sich auf Gehorsam und Ungehorsam. Der Rest ist nur der Hintergrund. Falls Sie über schwere Situationen reden müssen, verwenden Sie Ausdrücke wie „selbst wenn“ anstatt von „weil“ – etwas, das den Fokus auf die wichtigen Herzensangelegenheiten richtet. Aber über die nächsten paar Wochen hinaus lassen Sie diese Beispiele zu zweien von vielen werden, wenn Sie, wie der Psalmist, Ihre Sprache durchdenken und analysieren. Mögen die Worte unseres Mundes und die Gedanken unserer Herzen vor seinem Angesicht angenehm sein. Und möge Gott Ihnen große Gnade schenken, dass Sie, „was immer Sie essen oder trinken, oder was immer Sie tun, Sie es zur Ehre Gottes tun“ (1. Kor. 10:31).

Seien Sie nicht ängstlich oder von dem Prozess überwältigt. Falls Sie Ihre Sprache anschauen und überall Sünde sehen, so ist das ein ermutigender erster Schritt. Wenn unsere Sündenerkenntnis nicht überreichlich vorhanden ist, kann unsere Erkenntnis von Gnade auch nicht reichlich vorhanden sein. Gnade ist immer mehr vorhanden, wenn ein vertieftes Sündenbewusstsein uns sowohl tiefer in die Buße als auch in eine größere Wertschätzung der großartigen Macht Christi treibt, die uns freisetzt, indem sie uns vergibt und uns verwandelt. Falls Sie ein Christ sind, dann muss Römer 8:9 die Verse aus Galater 5:16-25 auslegen; 1. Kor. 1:30 muss Sprüche 12:18-19 oder Mt. 12:37 auslegen.


Zusammenfassung

Um Sie herum gibt es unsichtbare Mächte, die Sie davon abhalten wollen, dem Bild Christi ähnlich zu sein: die Welt, das Fleisch und der Teufel. Die Bibel ermahnt Sie dazu, deren Einfluss zu bekämpfen: machen Sie sich nicht gleich mit der Welt, töten Sie die Werke des Fleisches ab und legen Sie Ihre geistliche Waffenrüstung an, um gegen die geistlichen Heerscharen der Gottlosigkeit anzukämpfen. Gott ermahnt uns auch, dass der Kampf in Ihrer Sprache besonders wichtig ist. Die Standpunkte des Herzens werden in dem offenbart, was Sie sagen. Wenn Sie folglich versuchen, gerecht zu sein, müssen Sie besonders auf Ihre Sprache achten; sie ist das beste Fenster, um zu zeigen, was in Ihrem Herzen verborgen ist. In geistlichen Kämpfen müssen Sie sorgfältig analysieren, wie Ihre Feinde Ihre Sprache umdrehen und die rebellischen Wege der bösen Rede als „normal“ erscheinen lassen wollen. In Ihrer Sprache heilig zu sein ist nicht einfach. Jakobus lehrt uns, dass wir wilde Tiere zähmen können, aber das niemand die menschliche Zunge zähmen kann, ein „rastloses Übel voll tödlichen Giftes.“ Doch hier gilt auch: was unmöglich erscheint bei Menschen, das ist möglich bei Gott. Die Weisheit von oben, frei von Gott geschenkt, lässt die Worte von Ihrer Zunge fließen wie frisches Wasser.


Persönliches Studium

1. In welcher Weise beschreiben Sie und die Menschen um Sie herum emotionale Erfahrungen mit neutralen Begriffen? (z. B. “zerschlagen”, “aufgebracht”, “einen schlechten Tag haben…).

2. Welche neutralen Begriffe benutzen Sie und die Menschen um Sie herum, um sündhaftes Verhalten zu beschreiben? (z. B. “Affäre”, “persönlicher Konflikt”, “geringes Selbstwertgefühl”, “es los werden wollen…”).

3. Welche neutralen Begriffe benutzen Sie und die Menschen um Sie herum, um die Gründe für Verhalten oder Emotionen zu beschreiben? (z. B. “Weil er/sie das tat...”, “Ich fühlte ein Bedürfnis”, “Ich fühle mich wirklich wie...”).

4. Gottes Wort ist nicht neutral. Gott definiert gut, schlecht, wahr oder falsch. Finden Sie einen besseren, biblischen Ausdruck für jeden der oben genannten Ausdrücke.

5. Lassen Sie sich von dem obigen Gegensatz durch das Evangelium leiten. Kommen Sie in einer bußfertigen Haltung zu Christus, und entwickeln Sie eine biblische Hoffnung und Glauben, der Sie verändern wird. Denken Sie darüber nach, wer Sie in ihm sind und wie diese Verbindung Sie freisetzen wird.

6. Erzählen Sie einigen anderen Menschen, wie Sie Ihre Sprache verändern wollen. Bitten Sie sie um Gebet für die Kraft des Geistes und das sie Sie in der Verantwortung halten.