Befreiende Rede

Aus Biblische Bücher und Predigten

Wechseln zu:Navigation, Suche

Verwandte Ressourcen
More Von Paul Tripp
Autorenindex
More Über Wort
Thema-Index
Über diese Übersetzung
English: Speaking Redemptively

© Christian Counseling & Education Foundation

Share this
Unsere Mission
Diese Übersetzung wird von Evangelium Übersetzungen, ein Online-Dienst, das Evangelium-zentriert Bücher und Artikel frei verfügbar in jeder Nation und Sprache.

Erfahren Sie mehr (English).
Wie Sie helfen können
Wenn Sie gut Englisch sprechen, können Sie mit uns freiwillig als Übersetzer arbeiten.

Erfahren Sie mehr (English).

Von Paul Tripp Über Wort
Teil der Journal of Biblical Counseling-Serie

Übersetzung von Thomas Menz

Ich arbeitete auf der High School auf meiner ersten Arbeitsstelle, und ich hatte mit einem riesigen Problem fertig zu werden, während ich das erste Mal von zu Hause weg war. Einige meiner Mitarbeiter stahlen und zerstörten Schuleigentum. Ich kannte die Schuldigen, der Chef jedoch nicht. Ich wollte kein Teil von dem sein, was dort vor sich ging, noch wollte ich für etwas beschuldigt werden, was ich gar nicht getan hatte. Ich wusste, dass ich mit meinem Chef reden musste und vielleicht auch mit meinen Mitarbeitern, aber ich hatte Angst. Ich fasste mir ein Herz, um mit meinem Vater über diese Vorgänge zu reden. Er stimmte mir zu, dass ich mit den beteiligten Personen sprechen musste, und dann sagte er zu mir: „Sei vorsichtig, Sohn, wähle deine Worte mit Bedacht.“ Es war eine schöne Art, alles von dem zusammenzufassen, was es bedeutet, mit Zielstrebigkeit und Beherrschung zu kommunizieren.

Erlösende Rede sagt alles über die bedächtige Wahl unserer Worte. Es geht nicht nur um die Worte, die wir aussprechen, sondern auch um die Worte, von denen wir uns entschlossen haben, sie nicht zu sagen. In der erlösenden Rede geht es darum, vorbereitet zu sein, um das Richtige im richtigen Moment zu sagen und Selbstbeherrschung zu üben. Erlösende Rede lehnt es ab, unser Gespräch von Leidenschaft und persönlichem Verlangen treiben zu lassen; stattdessen kommunizieren wir mit den Absichten Gottes im Blick. Sie übt den notwendigen Glauben aus, der Teil dessen sein sollte, was Gott in diesem Moment tut.


Wenn Worte zerstören

Obwohl Sam und Belinda Menschen mit großer Einsicht waren, waren sie nicht in der Lage, die Probleme in der eigenen Beziehung zu lösen. Zu der Zeit, als wir begannen uns zu treffen, waren die Kämpfe in ihrer Ehe schlimm. Sam war in den vergangenen zwei Jahren dreimal für zwei Wochen bis zu einem Monat ausgezogen. Belinda war einmal für einen ausgedehnten „Urlaub“ in das Haus ihrer Eltern gezogen. Hier war ein christliches Paar, seit zwanzig Jahren verheiratet, mit einem soliden Bibelverständnis und einem großen Einblick in den jeweils anderen, jedoch konnten sie ihre eigenen Probleme nicht lösen.

Als wir uns das erste Mal trafen, hätte man die Spannung mit einem Messer nicht zerschneiden können. Ich hätte eine Kettensäge nehmen müssen! Sam war so wütend, dass er sofort aufstand, nachdem ich gebetet hatte und sagte: „Ich weiß nicht, warum ich hier bin! Ich weiß genau, was mit unserer Beziehung falsch läuft. Ich habe es Belinda hundert Mal gesagt. Sie lehnt es ab, mir zuzuhören und spielt das Opfer. Ich habe keine Lust, hier zu sitzen und jede schreckliche Sache, die sich zwischen uns in den letzten zwanzig Jahren abgespielt hat, wieder aufzuwärmen! Ich kann das einfach nicht!“ Und mit diesen Worten rannte er hinaus. Ich entschuldigte mich bei Belinda und folgte Sam in seinen Wagen, und schließlich überzeugte ich ihn, wieder hereinzukommen.

Es lag eine Menge Wahrheit in dem, was Sam gesagt hatte. Er hatte eine Menge Einsicht in die Probleme seiner Ehe. Er hatte Belinda viele Male Dinge gesagt, die sie einfach nicht gehört hatte. Belinda spielte die Rolle des Opfers in diesen Momenten der Konfrontation. Sam musste immer und immer wieder schlimme Szenen aufwärmen, die sich zwischen ihnen ereignet hatten. Mit all diesen Analysen und Gesprächen war Sam jedoch alles andere als ein Instrument der Veränderung in Belindas Leben. In der Tat war die Frucht von Sams Gesprächen ein Leben, in dem er mehr ein verbittertes Opfer war als je zuvor. Mit all seiner Einsicht war Sam niemals ein Teil dessen, was der Herr in Belindas Leben tun wollte. Eigentlich stand er dem Wirken des Herrn mehr im Weg, und er gab dem Teufel durchgehend riesige Möglichkeiten.

Sowohl Belinda als auch Sam hatten Dinge in ihre Ehe gebracht, die zu ihren Problemen noch beitrugen. Belindas Vater war ein brutal gesetzlicher und kritischer Mensch. Belinda musste zusehen, wie ihre Mutter Abend für Abend am Essenstisch heruntergemacht wurde, wenn ihr Vater sie wegen ihrer Hausarbeit, ihrer Kochkunst, ihres Vokabulars, ihres Aussehens und sogar wegen ihrer Stimme („Dein weinerliches Geknatsche“) kritisierte. Es gab viele Nächte, in denen Belinda sich in den Schlaf weinte oder sie darüber nachdachte, wie sie ihrem Vater das alles heimzahlen könnte, was er ihrer Mutter angetan hatte.

Als sie begannen, miteinander zu gehen, erkannte Sam, dass Belinda dazu tendierte, überempfindlich zu reagieren, was ihn manchmal irritierte. Weil es aber so viele andere Dinge gab, die er an Belinda mochte, versuchte er, das zu übersehen. Er hatte keine Idee, dass er eine Frau heiraten würde, die bitter, selbstbeschützend und ängstlich war, und die fest entschlossen war, alles Notwendige zu tun, um zu verhindern, durch die gleiche Hölle gehen zu müssen, die ihre Mutter erlebt hatte.

Im Gegensatz dazu hatten Sams Eltern eine wundervolle Beziehung. Seine Mutter und sein Vater drückten regelmäßig ihre Wertschätzung füreinander aus. Wenn sie stritten, suchten sie nicht nur die Vergebung des anderen, sondern auch die Vergebung der Kinder, die Zeuge des Streits waren. In Sams Familie bedeutete ein Fehler nicht das Ende der Welt; vielmehr wurdest du dazu ermuntert, aufzustehen und es erneut zu versuchen. Sam hatte immer gehofft, eine Ehe wie die seiner Eltern führen zu können. Er träumte von diesen großartigen Zeiten rund um den Weihnachtsbaum, dieser Zeit mit ihm als Vater. Er heiratete Belinda mit diesem Traum vor Augen.

Es war kein Fehler von Gottes Souveränität, dass Sam und Belinda sich gefunden hatten. Es war Gottes weise, befreiende Absicht, ihre Beziehung als einen Arbeitsraum für sein fortlaufendes Werk der Heiligung zu benutzen. In dieser Beziehung wurden Herzen offengelegt und verändert. Das war Gottes Absicht. Aber Sam heiratete nicht mit dem Evangelium im Blick; seine Augen waren auf seinen Traum ausgerichtet. Belinda heiratete auch nicht mit dem Evangelium im Blick; ihre Augen waren auf ihre Ängste ausgerichtet. Also dachte oder redete keiner von beiden befreiend zum anderen, als Sam seinen Traum zerfallen sah, und Belinda begann zu sehen, wie ihre Ängste Wirklichkeit wurden.

Ja, Sam wusste, dass Belinda ständig Kritik zu hören meinte, selbst wenn es gar keine gab. Und Belinda wusste, dass Sam ständig enttäuscht zu sein schien, weil seine richtige Familie nicht mit der Familie seiner Träume zusammenpasste. Aber trotz all dieser Einsicht entwickelten sich die Dinge zwischen ihnen über die Jahre zunehmend schlechter. Die Gespräche, die sich um ihre Schwierigkeiten drehten, fügten nur neue Schichten von Verletzung und Komplikationen hinzu. Anstatt Veränderung voneinander einzufordern, mussten Sam und Belinda lernen, was es bedeutet, im Angesicht von Enttäuschung, Verletzung, Versagen und Sünde – alle vertrauten Erfahrungen in einer gefallenen Welt – befreiend zu reden.


Warum Worte zerstören

Wie verstehen wir Belindas und Sams Unfähigkeit, die Probleme in ihrer Beziehung zu lösen? Wie sieht der Weg für sie aus, um sich zu ändern? Was bedeutet es für sie und uns, unsere Worte auszuwählen, befreiend zu reden?

Eine treffende Passage im Galaterbrief beschreibt Sams und Belindas Beziehung. Sie wird gefolgt von einer weiteren Passage, die den Weg der Veränderung aufzeigt. Beide Passagen definieren, was es bedeutet, unsere Worte zu wählen, sodass wir ein Teil dessen sein können, was der Erlöser in unserem Leben und im Leben anderer vollbringt.

Lassen Sie uns zunächst anschauen, was mit Belinda und Sam falsch gelaufen ist. Unsere diagnostische Passage ist Galater 5:13-15.

“Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt; sondern durch die Liebe diene einer dem andern. Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem (3.Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!« Wenn ihr euch aber untereinander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht einer vom andern aufgefressen werdet.“

Die drei Teile dieser Passage können uns helfen zu verstehen, was mit Sams und Belindas Beziehung falsch läuft, besonders im Bereich ihrer Kommunikation.


1. “Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt; sondern durch die Liebe diene einer dem andern.”

Wenn Sie Belinda und Sam gefragt hätten, ob ihre Beziehung darauf aufbaut, dass sie der sündhaften Natur Raum gegeben haben, hätten sie entschieden mit „Nein“ geantwortet – aber sie hätten entschieden falsch gelegen. Ihre Beziehung und ihre Kommunikation waren nicht vom Gesetz der Liebe gestaltet. Es mangelte ihnen in dringendem Maße an der dienenden Haltung, die in dieser Passage mit Nachdruck hervorgehoben wird.

Sie fragten Gott nicht, wie sie gebraucht werden könnten, um ihren Ehepartner zu ermutigen und um das zu unterstützen, was Gott im Leben des anderen tun wollte. Sie dachten nicht darüber nach, wie sie „einander zur Liebe und zu guten Werken anspornen könnten“ (Heb. 10:24).

Sie hielten nicht nach den Wegen Ausschau, um den anderen zu trösten, zu ermutigen, zu warnen oder zu belehren. Sie sahen Schwierigkeiten nicht als eine Möglichkeit, die Gnade Gottes anzubieten. Sie hielten nicht nach Wegen Ausschau, um der anderen Person zu helfen, ihre oder seine Last zu tragen. Sie wählten keine Worte, die die Einheit, Liebe und den gegenseitigen Dienst förderten. Sam und Belinda wollten nur bedient werden. Er wollte sich an seinem Traum erfreuen. Sie wollte sich von ihren Ängsten isolieren. Folglich hielten sie nicht nach Wegen Ausschau, um einander zu dienen.

Diese Passage ist besonders hilfreich, weil sie uns sagt, dass das Gegenteil von dienender Liebe nicht etwa ein Mangel an Liebe und Dienst ist, sondern eine aktive Hingabe an die sündige Natur! Entweder lebe ich als Diener des Herrn und akzeptiere seinen Ruf, allen Menschen zu dienen, die mich umgeben, oder ich lebe, um die Verlangen der sündigen Natur zu befriedigen und um zu erwarten, dass andere Menschen diese Verlangen genauso befriedigen. Obwohl Belinda und Sam dem anfangs nicht zugestimmt hätten, verstanden sie doch, dass sie im Grunde mit selbstsüchtigen Verlangen in diese Beziehung gegangen waren.

Sam verfolgte sein Ziel einer perfekten Ehefrau und Familie. Deswegen wurde er schnell enttäuscht du wütend, als er Belinda als ein Hindernis zu diesem Ziel wahrnahm. Belinda kam mit dem persönlichen Ziel des Selbstschutzes in diese Ehe. Ihre Beziehung und Kommunikation mit Sam wurde von der ständigen Konzentration aus sich selbst bestimmt (Wie behandelt er mich?). Wegen dieses Ziels des Selbstschutzes pflückte sie alles auseinander, was Sam sagte oder tat, und sie war immer in der Lage, irgendetwas zu finden, das unsensibel, kritisch, unachtsam oder „missbräuchlich“ war. Dann ging sie in ihrer Enttäuschung wütend auf Sam los.

Jakobus 4:1,2 beschreibt, wie Belindas und Sams Wünsche die Triebkräfte ihrer Beziehung beeinflussten. „Woher kommt der Kampf unter euch, woher der Streit? Kommt's nicht daher, dass in euren Gliedern die Gelüste gegeneinander streiten? Ihr seid begierig und erlangt's nicht; ihr mordet und neidet und gewinnt nichts; ihr streitet und kämpft und habt nichts, weil ihr nicht bittet.“ Ihre Beziehung war ein ständiger Konflikt, weil ihre beiden Herzen von den Verlangen der sündigen Natur bestimmt wurden. Jakobus spricht über diese Verlangen, die in uns streiten, Verlangen, die Krieg führen, um die Kontrolle über Menschen, Resourcen und „Gebiete“ zu erlangen. Der Kampf zwischen dem Verlangen nach einer perfekten Familie und dem Verlangen nach Selbstschutz hatte Sams und Belindas Ehe übernommen. Das Ergebnis war, wie Jakobus es beschreibt, ein ständiger Konflikt.


2. “Das ganze Gesetz ist zusammengefasst in einem einzigen Gebot: ‘Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.’”

Dies bietet auch eine bedeutende Einsicht in die Beziehung. Die Probleme in Sams und Belindas Beziehung waren im Grunde nicht horizontal (von Mensch zu Mensch), sondern im Grunde vertikal (von Mensch zu Gott). Wenn ich für die Herrlichkeit Gottes lebe, und wenn ich dies mehr zu einem grundlegenden Ziel mache als mein eigenes Glück, wenn meine Liebe zu ihm über meiner Liebe zu irgendjemand anderem, einschließlich mich selbst, steht, dann ist es mein praktisches Lebensziel, Gott in allen Dingen zu gefallen, die ich sage oder tue, wo immer er mich hinstellt. Eine sichere Frucht dieser Herzenshingabe an Gott ist, dass ich meinen Nächsten liebe wie mich selbst. Das erste Gebot geht immer voran und bestimmt das Halten des Zweiten. Ich werde nie meinen Nächsten lieben wie mich selbst, wenn ich nicht zuerst Gott über allem anderen liebe.

Jakobus 4 ist hier abermals hilfreich. In Vers 4, in der Mitte seiner Diskussion der Gründe und Lösungen des menschlichen Konflikts, stellt Jakobus das Konzept des geistlichen Ehebruchs vor. Ehebruch kommt vor, wenn die Liebe, die einem Menschen versprochen war, einem anderen gegeben wird. Geistlicher Ehebruch kommt vor, wenn die Liebe, die Gott gehört, irgendeiner Erscheinungsform der geschaffenen Welt gegeben wird (siehe Römer 1:25). Jakobus sagt etwas extrem hilfreiches, wenn wir versuchen, die Beziehung zwischen Sam und Belinda zu verstehen: der menschliche Konflikt hat seine Wurzeln im geistlichen Ehebruch! Wenn das Verlangen nach einer bestimmten Sache die Liebe zu Gott als eine kontrollierende Macht in meinem Herzen ersetzt, ist das Ergebnis ein Konflikt in meinen Beziehungen. Der Konflikt hat vertikale Wurzeln, die die horizontale Frucht des Kämpfens und Streitens hervorbringen. Die Liebe zu Gott, die mich sein Gesetz befolgen lassen will, resultiert immer in praktischer Liebe für meinen Nächsten.


3. “Wenn ihr euch weiter beißt und einander verzehrt, gebt acht, oder ihr werdet euch gegenseitig zerstören.”

Dieser letzte Teil von Galater 5 ist eine passende Beschreibung der täglichen Konversation zwischen Belinda und Sam. Sie bissen und verzehrten sich gegenseitig mit Worten. Ihre Kommunikation wurde niemals aufgebaut, gestärkt oder gefördert. Sie wurden eher geübt darin, sich gegenseitig große Wunden zu reißen. Sam kannte die Stellen, an denen Belinda empfindlich und verletzbar war, und er suchte nach diesen Stellen, wann immer er sie in seinen Träumen im Wege sah. Belinda wusste, wo sie Sam verletzen konnte, und sie konnte seine Freude oder Hoffnung mit ein paar gut gesetzten Worten vernichten.

Ihre Worte waren kritisch, verdammend, manipulativ, angreifend, richtend, selbstsüchtig, gehässig, fordernd, unbarmherzig und rachsüchtig. Ihre Worte zeigten, dass Sam und Belinda nicht so sehr eine radikale Veränderung ihres Wortschatzes benötigten, sonder vielmehr eine radikale Veränderung ihres Herzens. Dies würde ihre Art, miteinander zu reden, grundsätzlich verändern.

Das Problem war nicht, dass sie mit Schwierigkeiten in die Ehe kamen. Dies trifft auf uns alle zu; überdies hat Gott die Ehe in dieser Weise bestimmt. Diese bedeutsamste aller menschlichen Beziehungen existiert nicht zuerst zu unserem Vergnügen, sondern als Mittel seines fortwährenden Wirkens der Heiligung, das wir zum Preise seiner Herrlichkeit sein könnten. Es ist kein Zufall, dass unsere bedeutsamste menschliche Beziehung (die Ehe) ihren Platz in der Mitte des bedeutsamsten Lebensprozesses (der Heiligung) hat. Gott hat sie in dieser Weise zu seiner Herrlichkeit und zum Nutzen für seine Kinder bestimmt!

Es wäre für Sam und Belinda falsch zu sagen, dass ihre Ehe in diese schreckliche Lage geriet, weil sie mit außergewöhnlichen Schwierigkeiten verflucht worden waren. Das Problem war nicht, dass sie Probleme hatten. Das Kernproblem war die Art, wie in der Mitte dieser Probleme die Wünsche ihres Herzens ihre Reaktion aufeinander diktierten. Weil sie für sich selbst lebten und nicht für Gott, bissen und verzehrten sie sich gegenseitig beinahe bis zum Punkt der Zerstörung. Sam hatte seine Zweifel über Gottes Treue und Liebe geäußert, und Belinda hatte aufgehört, noch in die Gemeinde zu kommen. Ihr Glaube lag verwundet unter den Trümmern ihres Konfliktes.

Der Hebräerbrief sagt, dass die Bibel in der Lage ist, „die Gedanken und Einstellungen des Herzens“ aufzudecken (Heb. 4:22 f). Galater 5 macht genau dies für Sam und Belinda. Ihre Beziehung war nicht vom Gebot der Liebe regiert, sondern von den Verlangen ihrer sündhaften Natur. Da Gott dieses System nicht unter Kontrolle hatte, gingen sie jede Situation an, indem sie ihre eigenen Träume, Wünsche und Ansprüche erfüllt sehen wollten. In ihrem Zorn und ihrer Enttäuschung übereinander schlugen sie sich gegenseitig mit Worten. Ihre Worte zerrten an dem Gefüge ihrer Beziehung, weil das Gefüge ihres Glaubens bereits in ihren Herzen zerrissen war.


Worte der Befreiung in einer Welt der Sünde aussprechen

Sam und Belinda zeigen uns, dass die befreiende Rede nicht aus dem oberflächlichen Auswählen der richtigen Worte besteht, sondern in der grundsätzlichen Verpflichtung des Herzens, Worte zu wählen, die das Wirken Gottes in einer besonderen Situation unterstützen. Belinda und Sam hatten den wahren Krieg, der sich unter den menschlichen Streitereien verbirgt, aus den Augen verloren. Sie hatten zu denken begonnen, dass ihr Kampf zuerst mit Fleisch und Blut ausgetragen würde, und so kämpften sie gegeneinander, um die Träume zu verwirklichen, die ihre Herzen im Griff hatten. Ihre wichtigsten Waffen waren ihre Worte. Was hätte es für Sam und Belinda bedeutet, in diese Situation befreiend hineinzusprechen?

Galater 5 gibt uns weiterhin hilfreiche Antworten. „Ich sage aber: Lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch begehrt auf gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; die sind gegeneinander, sodass ihr nicht tut, was ihr wollt. Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.

Offenkundig sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen. Davon habe ich euch vorausgesagt und sage noch einmal voraus: Die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit; gegen all dies ist das Gesetz nicht. Die aber Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden. Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden.

Liebe Brüder, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen(Gal. 5:16-6:2).

Diese Passage gibt uns eine Schritt-für-Schritt Anleitung dafür, was es bedeutet, befreiend zu reden. Wir erinnern uns, befreiend reden bedeutet nicht, dass wir die praktischen Angelegenheiten des Lebens ignorieren. Wir können es nicht, weil wir sie jeden Tag antreffen. Vielmehr spricht die befreiende Rede zu solchen Angelegenheiten in einer Weise, die die Interessen des Königs in den folgenden Arten fördert:


1. Befreiende Rede beginnt mit der Erkenntnis des inneren Krieges, der in uns tobt. (Siehe die Verse 16,17.)

Solange die innewohnende Sünde noch zurückbleibt, herrscht in unseren Herzen ein Krieg (Röm. 7:7-15, Eph. 6:10-20, Jak. 4:1-10). Wir müssen ständig im Bewusstsein dieses Konfliktes leben, weil das Vergessen der Gegenwart und Macht der innewohnenden Sünde umgehend zu Problemen in unserer Rede führt. Das ist der Konflikt, die Basis eines jeden anderen Krieges, den wir austragen. Wir sollten niemals denken, dass unser ursprünglicher Kampf gegen Fleisch und Blut geht (siehe Eph. 6:10-12).

Wir dürfen unseren Ehemann, Ehefrau, Eltern, Kind, Bruder, Schwester oder Freund niemals als Feind betrachten. Wenn wir das tun, wird es unser Ziel, horizontal zu gewinnen, und die befreiende Rede wird zum Fenster hinausgeworfen. Es gibt nur einen einzigen Feind, der intrigiert, manipuliert, versucht, täuscht und maskiert, um uns den wahren Kampf vergessen zu lassen und um zu versuchen, uns den Verlangen der sündhaften Natur zu übergeben. Wir widerstehen dem Werk dieses Feindes, wenn wir aus dem aktiven Bewusstsein über den wirklichen, geistlichen Kampf in uns zueinander reden.


2. Befreiende Rede bedeutet, sich niemals den Verlangen der sündhaften Natur hinzugeben, wenn wir miteinander reden (siehe Vers 16)

Jeder von uns ringt mit einer Ansammlung von Wünschen, die miteinander im Widerstreit liegen. Wenn etwas falsch gelaufen ist, werden wir uns wünschen, dass eine geeignete, göttliche Lösung gefunden wird, aber andere Wünsche funktionieren gleich gut. Wir mögen uns wünschen, jemandem die Schuld zuzuweisen oder uns aus der Verantwortung herauszunehmen. Wir mögen wünschen, uns all die anderen Male aufzuzählen, wo uns diese Person im Stich gelassen hat oder dass diese Person genauso schlimm verletzt wird, wie wir verletzt wurden. Wir mögen wünschen, dieses Versagen mit jemand anderem zu teilen. Wir mögen auf jemanden eifersüchtig werden, der jene Aufmerksamkeit erhält, von der wir meinen, sie verdient zu haben. Wir mögen verbittert und mit Hass gegen jemanden erfüllt werden, der uns ständig im Stich gelassen hat. Wir können regelrecht mit Zorn erfüllt sein.

Befreiende Rede bedeutet, zu jeglicher Kommunikation nein zu sagen, die aus diesen Wünschen hervorkommt. Befreiende Rede bedeutet, nicht damit zu beginnen, die Situation, die Bedürfnisse der Person(en), mit denen wir reden müssen oder die Bibelstellen, die uns Einsicht darin geben würden, was wir sagen sollten, zu untersuchen. Nein, befreiende Rede beginnt mit der Selbstprüfung.


3. Befreiende Rede bedeutet, es abzulehnen, in einer Weise zu reden, die im Gegensatz zu dem steht, was der Heilige Geist in mir und anderen zu erzeugen versucht (siehe Verse 16-18)

Für mich als Christen ist das Wichtigste in meinem Leben die Vollendung von Gottes Werk in mir und anderen zum Preis seiner Herrlichkeit. Ich will nicht verhindern, was er als Erlöser in den kleinen Momenten des Lebens tun will. Ich erkenne, dass diese Momente letztendlich nicht mir sondern ihm gehören. Sie sind der Arbeitsraum, in dem er sein Werk der Heiligung vollbringt. Meine Aufgabe ist es, ein brauchbares Werkzeug in seinen erlösenden Händen zu sein. Jedes Mal, wenn ich aus meinen sündhaften Verlangen heraus spreche, kommuniziere ich in einer Weise, die im Gegensatz zu dem steht, was der Heilige Geist in mir zu produzieren versucht.


4. Befreiende Rede schließt den Willen ein, zu überprüfen, wie die Frucht der sündhaften Natur in meiner Rede gegenwärtig ist (siehe Verse 19-21)

Falls ich versuche, ständig mit dem Wirken des Heiligen Geistes in mir zu leben und dem Feind keinen Raum zu geben, muss ich bereit sein, meine Rede im Spiegel des Wortes Gottes zu überprüfen. Ich will, dass „die Worte meines Mundes und das Sinnen meines Herzens“ wohlgefällig ist im Angesicht des Herrn (Ps. 19:14). Also suche ich nach Worten des Neides, der Eifersucht und des Stolzes. Ich suche nach Worten der Spaltung, der Uneinigkeit und Entzweiung. Ich suche nach Worten des Zorns, der Wut, der Bosheit und des Hasses. Ich suche nach Worten der Selbstsucht, der Selbstgerechtigkeit, des Selbstschutzes und der Verteidigung. Ich suche nach Worten, die von Ungeduld, Verärgerung, einem Mangel an Vergebung, Unfreundlichkeit und einem Mangel an Güte zeugen. Ich suche nach einer Rede, die grob oder materialistisch ist.

Ich überprüfe mich selbst nicht mit einer krankhaften, mutlosen Haltung der Selbstkritik. Ich mache es mit Freude, und mir wird klar, dass ich wegen der innewohnenden Gegenwart des Heiligen Geistes nicht unter der Kontrolle der sündigen Natur leben muss (Röm. 8:5-11). Ich versuche mit Freude, ihm auf jede Weise und in jeder Situation zu gefallen! Ich will in einer Weise reden, die der Berufung würdig ist, die ich empfangen habe (Eph. 4:1).


5. Befreiende Rede bedeutet, „nein“ zu sagen zu jeder Unterordnung unter die Vernunft, jedem Abschieben von Verantwortung oder selbstdienenden Argumenten, die eine Rede entschuldigen würden, die im Gegensatz zum Werk des Heiligen Geistes steht oder die diese Rede für einen Bürger des Reiches Gottes angemessen oder akzeptabel erscheinen lassen. (Siehe Verse 19-21)

Ich war ein junger Pastor einer sich abmühenden, kleinen Gemeinde mit großen seelsorgerlichen Bedürfnissen. Es schien, als wenn ich nie einen ruhigen Moment zu Hause hatte, ohne dass mich jemand mit der neuesten und größten Krise anrief. Ich fürchtete, sogar nachts das Telefon schellen zu hören, und noch mehr fürchtete ich die Worte: „Paul, es ist für dich.“ Obwohl ich es nicht erkannt hatte, betrachtete ich gewisse Leute in der Gemeinde immer mehr als Hindernisse zu dem, was ich wollte als vielmehr als Objekte des Anrufs, den ich freudig vom Herrn akzeptierte. Ich erinnere mich, Anrufe erhalten und meine Frau gefragt zu haben: „Wer ist das denn schon wieder?“, um anschließend mit einem freundlichen, pastoralen „Hallo“ zu antworten.”

Eines Samstagnachmittags entspannte ich mich gerade mit meiner Frau und den Kindern zu Hause, als einen Anruf von einem verzweifelten jungen Mann erhielt. Er war schon seit langer Zeit verzweifelt und schien die Gabe zu besitzen, mich immer im falschen Augenblick anzurufen. Er war ständig mutlos, bat immer um Hilfe, sperrte sich jedoch immer gegen die angebotene Hilfe. Nichts schien bei ihm zu fruchten. Er erklärte, schon alles ohne Erfolg ausprobiert zu haben. Er war in einem der kleinen, schäbigen Motels, und er sagte, dass er seinem Leben endgültig ein Ende setzen wolle. Er sagte, dass er sich noch vor dem Ende des Tages das Leben nehmen würde, falls er keinen Grund mehr fände, weiterzuleben. Ich fand heraus, wo er steckte, bat meine Frau, für mich zu beten, stieg in meinen Wagen und fuhr zu ihm, um mit ihm zu reden.

Ich betete auf dem Weg zu ihm, und ich wusste, dass meine Frau auch betete, aber in mir spielte sich ein Krieg ab. Ich war diese Ansammlung von Wünschen, die miteinander stritten! Ich konnte diesen Kerl wahrhaftig nicht ausstehen! Ich mochte seine bucklige Körperhaltung nicht. Ich konnte seine weinerliche Stimme nicht ausstehen. Ich mochte es nicht, dass er ständig im Mittelpunkt des Interesses anderer stehen musste. Ich hasste die Art, wie er mir jede Einsicht, die ich ihm angeboten hatte, wieder vor die Füße gespuckt hatte. Ich ärgerte mich über die Zeit, die er meine Familie und andere Aspekte meines Dienstes gekostet hatte. Und ich war zornig, dass ich wieder einmal zu ihm gehen musste, um ihn zurechtzubringen. Wie ich so fuhr, wurden meine Gedanken in diesem Krieg vor und zurück gestoßen zwischen der pastoralen Sorge und dem persönlichen Groll.

Ich kam in dem Motel an, und wir saßen in einem schäbigen Raum, der nach Rauch und Schweiß roch. Er trug mir seine normale Litanei der Beschwerden vor. Ich begann, mit Wahrheiten aus dem Evangelium zu antworten, als er mich unterbrach und sagte: „Du wirst mir diesen ganzen Mist nicht noch mal auftischen, oder? Hast du mir nichts Neues zu erzählen?“ Ich konnte nicht glauben, was ich dort hörte. Willig hatte ich meine Familie aus Sorge um ihn verlassen, und er verhöhnte meine Bemühungen ihm zu helfen ohne jegliche Anerkennung! Ich verlor die Fassung und ließ jener Rage freien Lauf, die sich seit Wochen aufgestaut hatte. Ich riss ihn verbal in Stücke. Ich erzählte ihm genau, was die Gemeinde und ich von ihm dachten. Ich legte ihm soviel Schuld auf wie ich konnte, sagte ihm, dass er seinen Hintern hochkriegen und etwas Richtiges für eine Änderung tun solle, betete für ihn(!) und verließ ihn dann. Ich schäumte vor Wut, als ich abfuhr.

Es brauchte nicht lange bis zu einer Verurteilung, als ich nach Hause fuhr. Es brauchte auch nicht lange für eine Rationalisierung und Argumente der Selbstentschuldigung, die ich direkt danach anführte. Als ich zu Hause ankam, war ich überzeugt, wie einer der alten Propheten gesprochen zu haben, die an einem sündigen und rebellischen Ort „So spricht der Herr“ ausgerufen hatten. Ich war davon überzeugt, dass Gott diesen dramatischen Moment der Wahrheit dazu benutzen würde, in dem Leben dieses Mannes eine bleibende Veränderung hervorzubringen. Ich kam zu Hause an und meine Frau, die gebetet hatte, fragte mich, wie es gelaufen war. Ich sagte ihr, dass ich zu ihm strenger gesprochen hatte als irgendwann zu irgendjemand anderem in meinem Dienst. Ich erzählte ihr auch auf jeden Fall die Analogie zu den Propheten. Sie sagte sofort: „Für mich hört es sich an, als wenn du wütend geworden bist und es vermasselt hast.“ In dem Moment, als sie dies sagte, sah ich meine selbstdienenden Rationalisierungen als das, was sie waren, und ich wurde mit Gewissensbissen erfüllt. Wie sich herausstellte, benutzte Gott mein nachträgliches Sündenbekenntnis und mein Abmühen mit diesem Mann, um ihn zu verändern.

Gott will von uns, dass wir nicht nur unsere Ohren für jene Rede verschließen, die sich dem Wirken des Heiligen Geistes entgegenstellt, sondern auch für Wege, bei denen wir die sündhafte Rede rationalisieren, um sie für unser Bewusstsein akzeptable zu machen.


6. Befreiende Rede bedeutet, “im Gleichschritt mit dem Heiligen Geist” zu reden.” (siehe Vers 25)

Im Einklang mit dem Heiligen Geist stehen bedeutet eine Verpflichtung, in einer Weise zu reden, die mit seinem Wirken in mir übereinstimmt und die sein Wirken in anderen fördert. In dieser Passage wird das Wirken des Geistes ziemlich klar. Er arbeitet, um in uns eine Ernte zu bewirken, die mit dem Charakter Christi übereinstimmt: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftheit und Selbstbeherrschung. Im Einklang mit dem Heiligen Geist reden bedeutet, dass ich, als Akt des Glaubens und der Ergebenheit, meine Rede auf den Standard dieser geistlichen Frucht erhebe. Und ich betrachte die schwierigen Situationen des Lebens als souverän gegebene Möglichkeiten, um diese Frucht in mir durch seine Gnade wachsen zu sehen. Schwierigkeiten sind keine Hindernisse bei der Entwicklung dieser Frucht, jedoch Möglichkeiten, um sie wachsen zu sehen.

Vor Jahren gab es einen Mann in unserer Gemeinde, der meinen Dienst besonders kritisierte. Ich kämpfte innerlich mit mir, wann immer ich ihn sah oder wenn ich nur an ihn dachte. Ich erinnere mich daran, regelrecht erleichtert gewesen zu sein, als ich zu einer Gemeindeveranstaltung erschien und entdeckte, dass er nicht da war. Ich wusste auch, dass er seine Ansichten nicht für sich behielt. Er hatte begonnen, eine Gruppe Gleichgesinnter um sich zu scharen. Unsere Gemeinde war nicht groß, und folglich wurde die Unzufriedenheit immer offensichtlicher. Ich entschied, dass es an der Zeit war, diesen Mann um ein Gespräch zu bitten. Ich sagte meiner Frau, dass ich plante, mit Pete (nicht sein richtiger Name) zu reden. Sie fragte sofort, was ich ihm sagen wollte. Als ich meine Gedanken mit ihr teilte, konnte ich spüren, dass sie ablehnend reagierte, und so fragte ich sie, was falsch sei. Sie sagte: „Paul, bevor du dich mit ihm auseinandersetzt, musst du dich mit dir selbst auseinandersetzen. Es hört sich für mich an, als hasstest du diesen Mann. Ich denke, es kommt nichts Gutes dabei heraus, wenn du ihn mit seinen Fehlern konfrontierst, solange du mit deinem eigenen Verhalten zu tun hast.”

Ich wollte glauben, dass Luella nur eine weitere Person war, die mich falsch verstand und beurteilte, aber das war sie nicht. Wahrere Worte wurden selten gesprochen. Ich hasste diesen Mann. Ich hasste die kontrollierende Wirkung, die er auf mich ausübte. Ich hasste die Tatsache, dass er andere gegen mich aufgebracht hatte. Ich hasste es, wie mich seine Art der Kritik dazu gebracht hatte, alles zu hinterfragen, was ich als Pastor getan hatte! Ich hasste die Art, wie er meinen Traum von meinem Dienst und meiner Gemeinde zerstört hatte. Ich hasste das arrogante Grinsen in seinem Gesicht. Ich wollte mich wirklich nicht mit ihm auseinandersetzen. Ich wollte nur, dass er aus meinem Leben verschwindet!

Luella hatte Recht. Ich war nicht in der Lage, um ein Instrument des Heiligen Geistes in Pete’s Leben zu sein. Ich war nicht in der Position, um befreiend zu reden. Ich befand mich absolut nicht im Einklang mit dem Heiligen Geist, was diese Beziehung betraf. Ich musste mich zuerst mit mir auseinandersetzen. Ich musste mein Herz überprüfen und bekennen, dass dort Sünde war, und ich musste mich entscheiden, in einer Weise zu reden, die mit der Frucht übereinstimmte, die der Heilige Geist in mir bewirkte.

Als ich mein Herz überprüfte, gab es dort mehr, das verändert werden musste, als ich jemals gedacht hatte. Mein Problem war nicht nur Hass und Zorn, sondern Sünden auf einer viel tieferen Stufe. Vieles von dem, was mich in meinem Dienst motiviert hatte, war nicht das Werk des Herrn, sondern mein persönlicher Traum. Ich hatte davon geträumt, in einen schwierigen Bereich zu gehen, um dort zu dienen und in einer Weise erfolgreich zu sein, wie niemand sonst zuvor. Ich hatte davon geträumt, von einer ständig wachsenden Gemeinde im höchsten Maße anerkannt zu werden und so auch in Kürze die gesamte Gemeinde. Ich hatte von einem großen, zahlenmäßigen Wachstum geträumt, vom Bau eines großen, modernen Gebäudes und von der Leitung einer Gemeinde, die in dieser Region die Menschen bewegt und erschüttert. Am allermeisten hatte ich davon geträumt, als derjenige angesehen zu werden, der bei all dem im Mittelpunkt stand.

Ich hasste diesen Mann, weil er Recht hatte. Er hatte Unrecht in der Weise, wie er mit seinen Bedenken über meinen Dienst umgegangen war, aber er hatte Recht mit seinen Einsichten in meinen Stolz. Ich freute mich daran, bei jeder Versammlung der Mittelpunkt zu sein. Ich besaß die letztgültige Meinung zu jede Gesprächsthema. Ich war enttäuscht, wenn Leute mir bei meinen Erneuerungsprogrammen im Weg standen. Ich hasste es, wie langsam sich die Dinge bewegten du wie negativ die Menschen waren. Und ich stritt mit Gott darum, dass er mich an diesen harten Ort gesetzt hatte.

Dieser besondere Mann, den ich hasste, wurde zu einem Instrument der Rettung in der Hand des Herrn. Durch Pete wurde mein selbstsüchtiger, arroganter Traum offengelegt und begann zu sterben. Unter der Hitze dieser Prüfung zeigte mir Gott die Sünde in meinem Herzen in einer neuen Weise. Als ich mir einige Tage genommen hatte, um mich selbst und diese Situation zu prüfen, begann ich, für diesen Mann dankbar zu sein, den ich gehasst hatte. Ich war nicht dankbar für seine Sünde, aber ich war dankbar für die Weise, wie Gott ihn in meinem Leben gebraucht hatte. Als ich dankbar wurde, begann ich darauf zu hören, was Pete mir über mich gesagt hatte, und die Art, wie er es gesagt hatte. Gott wollte, dass ich sogar von diesem harten Botschafter etwas lernte. Schließlich, als ich auf die Art hörte, wie er seine Gedanken weitergab, entdeckte ich, dass wir beiden viel gemeinsam hatten. Pete war stolz, schulmeisterlich, laut und ungeduldig. Ich hatte alle diese Dinge gehasst, aber ich hatte gelernt, dass sie auch in mir gegenwärtig waren.

In jenen Tagen gab Gott mir eine aufrichtige, pastorale Liebe für Pete; und wenn wir redeten, war ich in der Lage, in einer Weise mit ihm zu kommunizieren, die geduldig, freundlich, liebenswürdig, friedlich und selbstbeherrscht war. Ich war sogar in der Lage, in diese schwierigen Gespräche mit Freude zu gehen, wenn ich mir das Gute vor Augen hielt, das der Heilige Geist durch ihn in mir getan hatte.

Im Einklang mit dem Heiligen Geist reden bedeutet nicht nur, in einer Weise zu reden, die mit dem übereinstimmt, was der Heilige Geist in mir wirkt; es bedeutet auch, in einer Weise zu reden, die das Wachstum dieser Frucht in Ihnen fördert. Offen gestanden interessierte es mich nicht, ob Gott mich in Pete’s Leben gebrauchte, bevor Luella mit mir redete. Es gab nur zwei Dinge, um die ich mich kümmerte: Ich wollte Pete beweisen, dass er falsch lag, und ich wollte, dass er unsere Gemeinde verließ und dass er mich in Ruhe ließ! Ich war in die Denkweise verfallen, dass mein Kampf gegen „Fleisch und Blut“ ging (Eph. 6:10-12). Ich sah in Pete den Feind, der besiegt werden musste, und ich hatte die Sicht auf den geistlichen Kampf verloren, der unter der Oberfläche vor sich ging. Ich wollte Pete nicht dienen; ich wollte, dass er meinen Traum unterstützte. Sogar als sein Pastor war das Letzte, was ich wollte, ein Werkzeug zur Erlösung in seinem Leben sein. Bis zu meinem Gespräch mit Luella hatte ich sogar niemals darüber nachgedacht, ein Werkzeug zu sein, dass der Geist benutzen könnte, um gute Frucht in seinem Leben hervorzubringen.

Als ich endlich mit Pete redete, hatte ich eine radikal andere Einstellung gegenüber derjenigen, über die ich zuerst mit meiner Frau diskutiert hatte. Ich wollte nicht länger „gewinnen“. Ich wollte nicht länger, dass er seinen Mund hielt und ein unterwürfiger Teil meines Traumes war. Ich wollte wirklich von Gott gebraucht werden, um die Frucht des Geistes in Pete hervorzubringen. Bereit zum Kampf kam er zu unserem Gespräch. Es war klar, dass er seine Waffen vorbereitet und seine Verteidigung eingeübt hatte. Aber es gab keinen Kampf. Ich sagte ihm, dass ich für seine Einsichten dankbar war; dass der Heilige Geist mir durch ihn mein Herz offengelegt hatte, und ich bat ihn um Vergebung. Bevor ich überhaupt eine Gelegenheit hatte, über ihn zu reden, sagte er: „Paul, ich habe auch falsch gelegen. Ich denke, wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, dass ich dich gehasst habe, und ich habe nach jeder sich bietenden Gelegenheit Ausschau gehalten, die gegenüber anderen zu kritisieren. Ich war wütend auf dich und wütend auf Gott, dass er uns in dieser Gemeinde zusammengestellt hat. Ich brauche deine Vergebung.”

An diesem Abend sprachen Pete und ich zum ersten Mal seit langer Zeit im Einklang mit dem Heiligen Geist, und der Heilige Geist wirkte ein neues Wachstum in jedem von uns. Aber übersehen sie nicht das Entscheidende: es begann mit jemandem, der mich konfrontierte und mich ermutigte, mein eigenes Herz zu überprüfen, bevor ich Pete gegenüber trat. Reden im Einklang mit dem Heiligen Geist bedeutet, sich Zeit nehmen zum Zuhören, Überprüfen, Nachdenken und Vorbereiten. Es bedeutet, aus einer Verpflichtung, am ständigen Wirken des Heiligen Geistes der Gnade in unserem Leben und im Leben anderer teilzunehmen, heraus zu kommunizieren.


7. Befreiende Rede bedeutet, den Leidenschaften und Verlangen der sündigen Natur keinen Raum zu geben (siehe Vers 24,16)

Achten Sie sorgfältig auf die Worte in Vers 24: “Diejenigen, welche zu Christus gehören, haben die sündige Natur mit ihren Leidenschaften und Verlangen gekreuzigt.“ Beachten Sie, dass dies keine passive Passage ist. Sie sagt, dass, wenn wir zu Christus kommen, wir die Leidenschaften und Verlangen der sündigen Natur kreuzigen. Diese Passage bringt uns dazu, über einen Aspekt des Evangeliums nachzudenken, der oftmals vernachlässigt wird. Das Evangelium ist eine herrliche Botschaft des Trostes, der Sündenvergebung, der aufgehobenen Verdammnis, der wiederhergestellten Beziehung mit Gott, dem Geschenk des Heiligen Geistes und des garantierten ewigen Lebens. Aber das Evangelium ist auch ein Aufruf, ein Leben aufzugeben, das mit den Verlangen der sündigen Natur im Einklang steht, sodass wir für Christus leben können. Bei der wahren Errettung geht es nicht nur darum, Trost zu empfangen; es geht auch darum, auf diesen Ruf zu antworten. Diese ein für allemal geltende Verpflichtung zu einem göttlichen Leben, zum Kreuzigen der Leidenschaften und Verlangen der sündigen Natur muss danach durch die innewohnende Kraft Christi in all unseren Beziehungen und Situationen ausgelebt werden.

Es gibt keinen Ort, an dem diese Verpflichtung mehr benötigt wird, als im Bereich unserer Kommunikation. Wenn wir einfach ehrlich sind, würden wir zugeben, dass vieles von dem, was wir sagen, von den Leidenschaften und Verlangen der sündigen Natur getrieben ist und nicht von der Hingabe an den Willen und das Werk Christi. Ehemänner, die ihre Frauen zornig kritisieren, Ehefrauen, die sich dem Murren und Klagen hingeben, Kinder, die sich im Zorn gegen ihre Eltern wenden, Eltern, die frustriert ihre Kinder mit Worten schlagen, enttäuschte Glieder des Leibes Christi, die ihre Leiter verleumden, alle lassen ihren Leidenschaften und Verlangen der sündigen Natur freien Lauf. Das Ergebnis ist eine Ernte schlechter Früchte in zerbrochenen Beziehungen und ungelöste, ständig komplizierter werdende Schwierigkeiten.

Worte auszusprechen, die von den Gefühlen und Verlangen der sündigen Natur geformt sind, bedeutet, sowohl die Verheißung Christi auf Befreiung aus der Gewalt der Sünde als auch unsere Verpflichtung, als jene zu leben, die ihm gehören, zurückzuweisen. Befreiende Rede bedeutet, aus wirkungsvoller Selbstbeherrschung heraus, die Christus uns verliehen hat, zu reden, dem Einen, der die Banden unserer Sklaverei der Sünde gebrochen hat, und der uns die Gabe des innewohnenden Heiligen Geistes geschenkt hat. Unsere Münder können Instrumente der Gerechtigkeit sein! Wir können zu den Gefühlen und Wünschen der sündigen Natur „Nein“ sagen.


8. Befreiend reden bedeutet, einen wiederherstellenden Blick auf Beziehungen zu haben (siehe Kapitel 6, Verse 1 und 2)

Paulus sagt: „Brüder, ist jemand von euch in Sünde gefangen, sollt ihr, die ihr geistlich gesinnt seid, ihn freundlich wieder zurecht bringen.“ Paulus spricht über einen Zustand, der uns alle in dieser Seite der Herrlichkeit einschließt. Wir werden „gefangen“ in Zorn, Stolz, Selbstmitleid, Neid, Rache, Selbstgerechtigkeit, Bitterkeit, Wollust, Selbstsucht, Angst und Unglauben. Und entweder glauben wir sogar nicht, dass wir gefangen sind oder wir wissen nicht, wie wir uns daraus befreien können. Es gibt Bereiche der Sünde, für die wir blind sind oder die für uns einen besonderen Kampf darstellen. Es wird ein Tag kommen, an dem der letzte Fallstrick abfällt und wir für immer mit Christus sein werden! Aber bis dahin müssen wir als Sünder anerkennen, dass wir leicht in Sünde gefangen sein können. Deswegen brauchen wir einander.

Paulus sagt dann: “Ihr, die ihr geistlich gesinnt seid, bringt ihn freundlich wieder zurecht.” Wenn wir in Einklang mit dem Heiligen Geist stehen (Vers 25), werden wir selbst zu einem seiner Erneuerer.

Befreiende Rede bedeutet, dass diese Erneuerung unsere Beziehungen regiert. Wir alle sind versucht zu denken, dass unsere Beziehungen uns gehören. Wir neigen dazu, andere Menschen als unseren Besitz zu betrachten. Eltern machen das mit ihren Kindern; dann, in den Jugendjahren, wenn das Kind versagt, sind die Eltern unfähig, unter ihren eigenen Zorn und ihre Verletzungen zu sehen, um ihrem eigenen Nachwuchs diese Erneuerung weiterzugeben! Ehemänner und Frauen glauben, dass es die Verpflichtung ihres Ehepartners ist, sie glücklich zu machen. Das Leben wird zu einer Serie von Abschlussprüfungen. Wir beurteilen Menschen nach der Weise, wie sie auf uns reagieren und wie sie uns beeinflussen. Wir suchen nach angemessenem Respekt, Liebe, Wertschätzung, Annahme und Ehre; und wir finden es sehr hart, mit Beziehungen fortzufahren, in denen diese Dinge nicht existieren.

Paulus ruft uns hier zu etwas radikal anderem auf. Diese Erneuerung hat ihre Wurzeln in der fundamentalen Erkenntnis, dass unsere Beziehungen nicht uns sondern Gott gehören. Sobald wir anfangen, über unsere Beziehungen in dieser Weise nachzudenken, werden wir beginnen, die Notwendigkeit von Erneuerung überall um uns herum zu sehen. Falls Sie sich auf einer Urlaubsreise befinden und die Kinder streiten sich auf dem Rücksitz, dann geht dort mehr vor sich, als dass Ihr teurer Urlaub ruiniert wird! Die Notwendigkeit der Erneuerung offenbart sich selbst. Sie können auf diese Situation als gereizte Eltern reagieren, dem die Kinder den Urlaubstraum rauben, oder Sie können als ein Erneuerer reagieren, der in den Händen des großen Erneuerers ein Werkzeug sein will.

Wenn sich Ehemänner und Frauen immer wieder über dieselben alten Dinge in die Haare bekommen, müssen sie mehr tun als die Tatsache verfluchen, dass ihre Ehe nicht funktioniert oder dass die andere Person niemals einen Schimmer hat. Sie müssen entdecken, dass sie „gefangen“ sind und dass sie aufeinander reagieren müssen, und das nicht etwa fordernd, sondern erneuernd. Das größte Werk menschlicher Beziehungen ist nicht das Streben nach menschlichem Glück, sondern die Aussöhnung mit Gott und die Erneuerung in das Bild seines Sohnes.


9. Befreiende Rede bedeutet, in Demut und Freundlichkeit zu reden (siehe Kapitel 6, Vers 1)

Harte Rede (“Warum räumst du nicht deinen Kram zusammen?”, „Wenn du denkst, dass ich deinen Dreck wegmache, bist du schief gewickelt!“) und stolze Rede („Zu meiner Zeit“ oder „Ich kann nicht mit Leuten zusammen sein, die so etwas tun!“) angesichts der Schwäche, Versuchung und Sünde anderer Menschen widerspricht der Botschaft des Evangeliums.

Freundlichkeit sollte unsere natürliche Reaktion sein, wenn wir einen Bruder oder eine Schwester sehen, die in Sünde gefangen sind. Wir müssen erkennen, dass wir ohne die Gnade Gottes dort wären, wo sie jetzt sind. Folglich sollten wir auf sie mit der selben Gnade reagieren, die wir empfangen haben. Gott liebte uns, als wir nicht liebenswert waren. Er vergab uns angesichts wiederholter Sünde. Tatsächlich ist es seine Liebe, die uns aus der Dunkelheit in sein wunderbares Licht zieht. In unserer Kommunikation mit dem anderen, wobei wir alle mit der Realität der zurückgebliebenen Sünde kämpfen, ist es entscheidend, dass wir die unwiderstehliche Liebe Christi widerspiegeln. Er ist unser einziges Argument, unsere einzige Hoffnung. Er allein ist fähig, unsere Herzen zu ändern. Wir wollen in einer Weise reden, die die Menschen zur Hoffnung in ihm hinzieht.

Wir sind ebenfalls frei, freundlich zu sein, weil wir jegliche Hoffnung aufgegeben haben, dass menschlicher Druck, Macht oder Logik das Herz ändern kann. Es ist niemals die Lautstärke unserer Stimme, die Macht unserer Worte, die Dramatik des Augenblicks, die Kreativität unserer Erläuterungen, die Kraft unserer Wortwahl, das Gespenst unserer Drohungen oder die Größe unserer Gesten, die in den Menschen eine Umkehr bewirkt. Freundlichkeit fließt aus dem Wissen, wo unsere Macht liegt. Gott kann geflüsterte Worte gebrauchen, um eine radikale Überführung in einem Herzen zu bewirken. Ja, wir wollen gut denken und reden, aber nur, weil wir nützliche Instrumente in den Händen des Einen sein wollen, der Veränderung bringt, nicht weil wir unseren Fähigkeiten trauen, dies hervorzubringen.

Freundliche Rede kommt nicht von einer Person, die zornig ist. Sie kommt von einer Person, die nicht deswegen redet, was sie von Ihnen will sondern was sie für Sie will. Ich bin nur in der Lage freundlich zu reden, wenn ich nicht aus persönlicher Verletzung, Zorn und Bitterkeit heraus rede, sondern aus der Selbstheiligung und der befreienden Liebe heraus. Ich rede zu Ihnen, nicht etwa, weil mich die Sünde beeinflusst hat, sondern weil sie Sie gefangen hat. Ich trachte danach, Sie von dieser Falle befreit zu sehen. Ich bin nicht auf einer Mission der selbstsüchtigen Konfrontation sondern der liebenden Rettung. Und ich weiß, dass wir in irgendeiner Weise alle diese Rettung jeden Tag benötigen.


10. Befreiende Rede bedeutet ein Leben und eine Kommunikation mit einem anderen Mittelpunkt (siehe Gal. 6:2)

Das Bild hier zeigt Menschen auf einer Reise. Sie konzentrieren sich nicht auf ihr Gepäck, was sie mit sich herumtragen, sondern sie achten auf diejenigen, die Unterstützung benötigen. Mit den Worten: „Einer trage des anderen Last“, erweitert Paulus seinen Aufruf an uns. Er ruft uns auf, von der persönlichen Bequemlichkeit, dem Erfolg und dem Nutzen wegzuschauen und die Person zu sehen, die sich mit dem Tragen ihrer Last abmüht und ihr einen Teil dieser Last abzunehmen. Dies ist der Weg Christi.

Wir sind auch dazu berufen, miteinander in der Lasten tragenden Mentalität zu sprechen. Wenn wir jemanden mit Schwäche kämpfen sehen, weisen wir ihn auf die Stärke hin, die er in Christus hat. Ist jemand ignorant, reden wir zu ihm mit Weisheit spendenden Worten der Wahrheit. Ist jemand ängstlich, reden wir von dem Gott, der in Schwierigkeiten eine allgegenwärtige Hilfe ist. Ist jemand betrübt, versuchen wir, Worte des Trostes zuzusprechen. Ist jemand entmutigt, versuchen wir, Worte der Hoffnung zu bringen. Fühlt sich jemand einsam, grüßen wir ihn mit der Ausdruckskraft unserer Liebe und der Gegenwart Christi. Ist jemand zornig, weisen wir auf einen Gott der Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit und Rache hin. Bei Streitigkeiten versuchen wir, als Friedensstifter und Versöhner zu reden. Ist jemand besorgt, weisen wir auf den Sabbat der Ruhe hin, den Christus seinen Kindern gegeben hat.

Befreiende Rede bedeutet, dass wir unsere Worte sorgsam wählen. Wir wollen uns nicht den Leidenschaften und Verlangen der sündigen Natur hingeben. Wir wollen andere nicht durch unsere Selbstgefälligkeit und Neid zur Sünde reizen. Wir wollen uns gegenseitig nicht mit Worten beißen und verzehren. Vielmehr sind wir verpflichtet, uns mit unseren Worten gegenseitig in der Liebe zu dienen. Wir wollen im Einklang mit dem reden, was der Heilige Geist in uns und anderen versucht zu bewirken. Wir wollen in einer Weise reden, die mit seiner Frucht im Einklang steht und die das Wachstum dieser Frucht in anderen fördert. Schließlich wollen wir als freundliche, demütige Botschafter der Erneuerung reden, als Lastenträger, die verpflichtet sind, durch das Gebot der Liebe Christi zu leben.

Zu welch einer radikalen Erweckung, Versöhnung und Wiederherstellung käme es in unseren Gemeinden, Häusern und Freundschaften, wenn wir diesen Ruf in jede Beziehung und jede Situation trügen! Wir verschieden wären die Dinge, wenn wir uns ständig verpflichteten, befreiend zu reden! Wie komplett anders wäre Belindas und Sams Beziehung gelaufen, wenn sie auf Gottes Ruf geantwortet hätten, miteinander in Worten der Befreiung zu reden! Wie wichtig ist es für uns, unsere Worte weise zu wählen!