Durchleuchtende Fragen: Das Warum und Weshalb menschlichen Verhaltens

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English: X-ray Questions: Drawing Out the Whys and Wherefores of Human Behavior

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Von David Powlison Über Biblische Seelsorge
Teil der Journal of Biblical Counseling-Serie

Übersetzung von Thomas Menz

Warum habe ich das getan? Warum reagieren Sie in dieser Weise? Warum verwenden Sie diese Worte und jenen Ton in der Stimme? Warum denken Sie diese Gedanken? Warum fühlen Sie in dieser Weise? Warum erinnern Sie sich an jenen besonderen Aspekt eines Ereignisses? Warum treffen Sie in einer Situation eine bestimmte Entscheidung? Warum ahnen Sie die möglichen Folgen voraus?

Die Frage “WARUM?” wirft Tausende von Theorien über die menschliche Natur auf. Warum tun Menschen das, was sie tun? Eine „Antwort“ auf diese Frage legt jede Analyse der menschlichen Persönlichkeit und jeden Versuch, das zu fixieren, woran das Menschengeschlecht krankt, fest. Eine Betrachtung der Motivation richtet jedes Detail der Theorie und Praxis aus und beeinflusst es. Wurden Sie irgendwo in der Rangordnung der Bedürfnisse festgelegt? Sind Sie bereits genetisch auf Aggression vorprogrammiert? Sind Hormone, die verrückt spielen, die Schuldigen? Geraten Ihre instinktiven, psychischen Impulse mit den Regeln der Gesellschaft in Konflikt? Werden Ihre Antriebe von belohnenden Reizen verstärkt? Sind Sie ein Widder, der mit Jupiter aufgeht? Sind Sie ein erwachsenes Kind mit unglücklichen und bestimmten traumatischen Erlebnissen? Kompensieren Sie wahrgenommene Minderwertigkeitsgefühle, und versuchen Sie, ein besseres Selbstwertgefühl zu erlangen? Hat sich ein Dämon namens Sucht in eine Spalte Ihrer Persönlichkeit eingeschlichen? Versagt Ihre Willenskraft? Ignorieren Sie gute Lehre? Sind Sie vom Temperament her ein Melancholiker oder Sanguiniker, ein Pessimist oder Optimist, introvertiert oder extrovertiert? Sind Sie eingebettet in das ideologisch falsche Bewusstsein, das Ihre soziale Klasse kennzeichnet? Zeigen Ihre Selbstgespräche die Grundlage für Identität und Selbstwert in einer falschen Weise? „Ich tat dies, tat das, fühlte jenes, weil…“ Was die Augen sehen, hat Gründe.

Theorien darüber, was in den Menschen vorgeht, finden in Seelsorgemodelle Eingang. Erklärungen sind Wegweiser für Lösungen: Meditieren Sie, kehren Sie zu Ihrem Ursprung zurück, treiben Sie einen Dämon aus, befriedigen Sie Ihre Bedürfnisse, treffen Sie keine wichtigen Entscheidungen, wenn die Sterne ungünstig stehen, programmieren Sie Ihren inneren Monolog neu, erforschen Sie Ihren Schmerz. Vermutete Gründe und angemessene Reaktionen werden heftig diskutiert. In jeder Universitätsbibliothek werden die Debatten in Regalen von mehreren hundert Metern Länge gesammelt und verglichen. Unser Herr hat etwas Großartiges zu diesem Problem zu sagen, und er bringt dabei seinen eigenen Standpunkt ein. Er widerlegt nachdrücklich die Konkurrenten und Fälscher, indem er jene menschliche Motivation veranschaulicht, die mit ihm zu tun hat. Seelsorge, die aus der Schrift heraus begründet wird, muss dem gerecht werden, was Gott über das Warum und Weshalb des menschlichen Herzens sagt. Die Bibel behauptet, die „Gedanken und Absichten des Herzens“ entsprechend der besonderen Kriterien, mit denen der Sucher der Herzen bewertet, was er in uns sieht, ausfindig zu machen (Heb. 4:12f).

Die folgende Liste der durchleuchtenden Fragen gibt Ihnen eine Hilfe an die Hand, mit der Sie die Mitovation einer Person feststellen können. Die Fragen sollen Menschen helfen, die gottlosen Herren, die die Befehlsgewalt in ihren Herzen übernommen haben, zu identifizieren und zu enthüllen. Diese Fragen offenbaren „zweckbetonte Götzen“, was oder wer tatsächlich besondere Handlungen, Gedanken, Gefühle, Standpunkte, Erinnerungen und Erwartungen kontrolliert. Beachten Sie, dass „zweckbetonte Götzen“ in einer besonderen Situation oftmals eine diametral entgegen gesetzte Position zu dem wahren Gott einnehmen.

Denken Sie darüber nach, wann Sie ängstlich, besorgt oder verärgert reagieren. Etwas ist passiert – es geht Ihnen nicht aus dem Sinn. Etwas passiert jetzt – Sie werden davon vereinnahmt. Etwas wird morgen passieren – in Ihrem Geist geht es immer und immer wieder herum, und Sie spielen jede nur erdenkliche Möglichkeit durch. Und während die Sünde der Sorge ihren unangenehmen Griff auf Ihre Seele verstärkt, versuchen Sie vielleicht, sich kurzfristig ein wenig zu zerstreuen: Sie plündern den Kühlschrank, sehen fern, masturbieren, lesen ein Buch, gehen einkaufen, trinken ein Bier, spielen ein Spiel. Oder Sie versuchen, die Kontrolle an sich zu reißen: Sie führen einige Telefonate, arbeiten die ganze Nacht, suchen nach Unterstützern, reinigen Ihr Haus, werden verrückt. Warum geschieht dies alles?

Als ein Christ bekennen Sie, dass Gott alle Dinge kontrolliert, und dass er alles zu seiner Herrlichkeit und Ihrem höchsten Wohlergehen wirkt. Sie bekennen, dass Gott Ihr Fels und Ihre Zuflucht ist, eine wirklich gegenwärtige Hilfe in allen Schwierigkeiten, denen Sie begegnen. Sie bekennen, dass Sie ihn loben, ihm vertrauen, ihn lieben, ihm gehorchen. Aber in diesem Moment – Stunde, Tag, Jahreszeit – der Angst, der Flucht oder des Getriebenseins leben Sie, als wenn Sie die Kontrolle über alles bekommen müssten. Sie leben, als wenn Geld, jemandes Anerkennung, eine „erfolgreiche“ Predigt, die Note eines Examens, gute Gesundheit, Konfliktvermeidung, Ihren Weg gehen oder… eine größere Rolle spielt, als das Vertrauen und die Liebe zu Gott. Sie leben, als wenn ein paar zeitweilig gute Gefühle Zuflucht versprechen könnten, als wenn Taten die Welt in Ordnung bringen könnten. Ihr funktionaler Götze wetteifert mit dem Gott, den Sie bekennen. Ungläubige werden vollständig von ungöttlichen Motiven in Besitz genommen. Wahre Gläubige werden oftmals schwer kompromittiert, beunruhigt oder entzweit. Aber die Gnade richtet uns wieder neu aus, reinigt uns und bringt uns zurück zu unserem Herrn.

Das umwandelnde Wirken Christi vollzieht sich gleichzeitig in zwei Dimensionen in unserem Leben, der “vertikalen” und der “horizontalen”, dem Warum und dem Wie. Gott richtet sowohl unseren Lobpreis als auch unseren Lebenswandel neu aus, unsere Motive und unseren Lebensstil. Paulus fasst den Zweck seines Dienstes folgendermaßen zusammen: „Die Hauptsumme aller Unterweisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben.“ (1. Tim. 1:5). Liebe fasst die Erneuerung der horizontalen Beziehungen zusammen. Ein reines Herz, ein gutes Gewissen und ein echter Glaube erfassen die Neukonfiguration der vertikalen Beziehung. Ein unreines oder wankelmütiges Herz dient verschiedenen Herren. Ein schlechtes oder verdrehtes Gewissen deutet falsch, führt in die Irre und bewertet falsch und versagt bei dem Prozess, den Weg Gottes zu gehen. Ein heuchlerischer Glaube bekennt, singt und betet einerseits, vertraut aber etwas anderem, wenn es hart auf hart geht. Abfälle des Herzens, des Gewissens und des Glaubens erzeugen besondere Sünden. Die Erneuerung des Herzens, des Gewissens und des Glaubens erzeugt besonderen Gehorsam. Dieser Artikel erforscht die vertikale Dimension, die die horizontale Dimension ursächlich führt und antreibt.

Beachten Sie bitte, dass sich jede Frage um dieselbe grundlegende Frage dreht: Wer oder was ist Ihr funktionaler Gott/Götze? Viele der Fragen leiten sich einfach von den Verben ab, die Sie mit Gott in Verbindung bringen: lieben, vertrauen, fürchten, hoffen, suchen, gehorchen, Zuflucht suchen und ähnliches. Jedes Verb ist für uns wie eine Lampe, die uns den Weg zu ihm zeigt, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Aber jedes Verb kann auch als Frage eingesetzt werden, um uns einen Spiegel vorzuhalten, der uns zeigt, wo wir vom Weg abgekommen sind. Jede Frage kommt durch dieselbe generelle Frage. In individuellen Situationen – verschiedene Zeiten, Orte, Menschen – kann die eine oder andere mehr angemessen und hilfreich sein. Verschiedene Arten, die Motivationsfrage zu formulieren, lassen bei verschiedenen Menschen die Alarmglocken läuten.

Die Fragen, die folgen, sind “Warum”-Fragen und sind konkret als „Was“-Fragen gestellt. Diese Fragen können Ihnen helfen herauszufinden, was dem Leben einer Person eine besondere Richtung gibt. Sie schauen nicht in das Herz des anderen, aber Sie können intelligent nachfragen „Warum bist du zornig? Warum manipulierst du ihn? Warum bist du in dieser Situation ängstlich? Warum hast du zu dieser besonderen Zeit ein Problem mit Wollust? Warum trinkst du so übermäßig viel?“ Die Bibel – das alles durchdringende und Licht spendende Wort des Suchers der Herzen – bemüht sich, hinter die Verhaltensweisen und Gefühle zu dringen, um die Motive freizulegen und um die Menschen offen unverhüllt vor denjenigen hinzulegen, mit dem wir es zu tun haben. Wenn es eine Überführung von besonderen Formen der Desorientierung gibt, kann eine Neuorientierung der Motive durch die Gnade des Evangeliums stattfinden.

Diese Fragen können auf verschiedene Weisen angewendet werden. Jede von ihnen kann mikroskopisch auf etwas fokussiert werden, um die Details eines besonderen Ereignisses im Leben einer Person zu analysieren. Jede von ihnen kann aber auch einen Weitwinkelüberblick liefern, um die wiederkehrenden und typischen Muster zu beleuchten, die das gesamte Leben einer Person kennzeichnen. Sie werden auf dem Weg der Seelsorge – und in Ihrem eigenen Wachstum in der Gnade – feststellen, dass die Details und das Panorama einander ergänzen. Das Panorama allein ist zu allgemein; eine Veränderung geschieht in den Besonderheiten. Die Besonderheiten allein erscheinen trivial; das Panorama zeigt uns die große Bedeutung solch winziger Details.

Die angegebenen Bibelstellen sind als Denkanstöße gedacht. Sie kratzen gerade einmal die Oberfläche der biblischen Behandlung dessen, was die Menschen motiviert. Stellen Sie sicher, dass Sie die Fragen zuerst „existentiell“ stellen. Was motiviert Sie oder andere? Greifen Sie nicht sofort nach der „richtigen christlichen Antwort“, ohne zuvor hart und ehrlich an der Analyse der abweichenden „funktionalen Götzen“ gearbeitet zu haben. Intelligente Buße lässt die richtigen Antworten wirklich richtig werden und wird die Liebe Jesu zu Ihrer Freude und Hoffnung machen.

1. Was lieben und was hassen Sie?[1]

Diese Frage nach dem ersten Gebot erforscht Ihr Herz, Ihre Seele, Ihren Verstand und Ihre Kraft. Es gibt keine tiefer gehende Frage, die man einer Person zu irgendeiner Zeit stellen könnte. Es gibt keine tiefer gehende Erklärung dafür, warum Sie das tun, was Sie tun. Eine falsche Liebe entführt unser Herz von unserem gerechten Herrn und Vater.

2. Was wollen, begehren, wünschen Sie? Wonach verspüren Sie ein leidenschaftliches Verlangen? Welchen Wünschen dienen und gehorchen Sie?[2]

Dies fasst die internen Wirkungsweisen des vom Verlangen getriebenen Fleisches zusammen, die in den Briefen des Neuen Testamentes beschrieben werden. „Mein Wille geschehe“ und „Ich will…“ findet man ziemlich oft. Menschen werden von verschiedenen Wünschen regiert; deswegen sollten Sie mit dieser Person jetzt, in dieser Situation, ins Detail gehen. Beachten Sie, dass Sie manchmal der Wille einer anderen Person regiert (Gruppendruck, der Wunsch, Menschen zu gefallen, sklavenähnliches oder chamäleonartiges Verhalten). In solchen Fällen verlangt Ihr Herz danach, das zu bekommen, was immer sie an Gutem versprechen und alles Schlechte zu vermeiden, womit Sie sie bedrohen. „Ich muss von dir eingeschlossen, geschätzt, akzeptiert und bewundert werden.”

3. Was suchen Sie, was beabsichtigen Sie, welchem Ziel jagen Sie nach? Was sind Ihre Ziele und Erwartungen? [3]

Dies erfasst im Besonderen, dass Sie ein aktives Leben führen und sich in eine bestimmte Richtung bewegen. Wir sind voller bestimmter Absichten. Menschliche Motivation ist nicht passiv, wenn unsere fest verdrahteten Bedürfnisse, Instinkte und Antriebe, die uns von außen kontrollieren, nicht erfüllt, enttäuscht oder nur bedingt erfüllt werden. Menschen sind aktive Wesen.

4. Worauf setzen Sie Ihre Hoffnungen?[4]

Die zukünftige Dimension sticht in Gottes Interpretation der menschlichen Motive hervor. Menschen verzichten konsequent, um das zu erreichen, worauf sie hoffen. Was ist es? Verzweifelte Menschen haben ihre Hoffnung aufgegeben. Was genau sind diese zerschlagenen Hoffnungen?

5. Was fürchten Sie? Was wollen Sie nicht? Worüber machen Sie sich Sorgen?[5]

Sündige Ängste kehren Sehnsüchte um. Falls ich etwas um jeden Preis vermeiden will – Verlust meines guten Rufes, Verlust der Kontrolle, Armut, Krankheit, Zurückweisung, etc. – werde ich von wollüstigen Ängsten regiert.

6. Was möchten Sie gerne tun?[6]

Dies ist die praktische Ausführung von Frage 2: Was wollen Sie? Gefühlsorientiert leben bedeutet, Ihre Wünsche zu Ihrem Führer zu machen. „Ich könnte dich verfluchen. Ich habe keine Lust, die Hausarbeit zu machen.”

7. Was glauben Sie zu benötigen? Was sind Ihre gefühlten Bedürfnisse? [7]

Die Fragen 2 und 3 haben Ihre Ziele in Ihrer Aktivität und bei der Verfolgung Ihrer Ziele freigelegt. Diese Frage legt Ihre Ziele bezüglich dessen offen, was Sie hoffen, bekommen und festhalten zu können. Gefühlte Bedürfnisse werden regelmäßig als selbstbeweisende Notwendigkeiten genommen, die es zu erfüllen gilt, nicht als trügerische Sklaventreiber. Unsere bedürfnisorientierte Kultur verstärkt die Instinkte und Gewohnheiten des Fleisches. In den meisten Fällen sind die gefühlten Bedürfnisse einer Person nur eine Ausrede für götzendienerisches Verlangen nach Liebe, Verständnis, dem Verlangen, die Kontrolle zu behalten, Bestätigung und Erfüllung.

8. Was sind Ihre Pläne, Tagesordnungen, Strategien und Absichten, die es zu erfüllen gilt? [8]

Dies ist eine weitere Art, um einzuschätzen, worauf Sie aus sind. Die Ichbezogenheit, die selbst in den edelsten Plänen lauert, kann fürchterlich sein. Niemand behauptet jemals: „Das Wachstum unserer Gemeinde zu einer Mega-Gemeinde bringt mir Ruhm, Wohlstand und Macht“, aber solche Motive liegen in der normalen, menschlichen Natur. Ihre verborgene Anwesenheit pervertiert und beschmutzt unsere Handlungen bis zu einem gewissen Grad.

9. Was bewegt Sie? Um welche Sonne dreht sich Ihr Planet? Woran erfreuen Sie sich? Was erhellt Ihre Welt? Aus welcher Quelle des Lebens, der Hoffnung und Freude trinken Sie? Welche Nahrung erhält Ihr Leben? Was bedeutet Ihnen wirklich etwas? Welche Luftschlösser bauen Sie sich? Welche Wunschträume peinigen oder ängstigen Sie? Um was herum organisieren Sie Ihr Leben? An welchem Pol richtet sich Ihre Welt aus? [9]

Viele fesselnde Metaphern können die Frage ausdrücken: “Wofür leben Sie wirklich?” Beachten Sie, dass, wenn Sie von einem tiefen Verlangen nach Intimität, Erfüllung, Respekt, Gesundheit oder Wohlergehen regiert werden, diese nicht als rechtmäßige, unproblematische Wünsche definiert werden. Sie funktionieren falsch, indem sie uns ins Zentrum des Universums setzen. Wir sind dazu bestimmt, im höchsten Maße nach dem Herrn selbst, dem Geber, zu verlangen, nicht nach seinen Gaben. Das Fehlen von Segnungen – Zurückweisung, Eitelkeit, Schmähung, Krankheit, Armut – ist oftmals die Feuerprobe, in der wir lernen, Gott um seiner selbst willen zu lieben. In unserem Götzendienst installieren wir Gaben als höchste Güter und degradieren den Geber zum Botenjungen irregehender Wünsche.

10. Wo finden Sie Schutz, Sicherheit, Trost, Zuflucht, Freude? [10]

Dies ist die Frage der Psalmen, die Ihr falsches Vertrauen und Ihre Fluchten hervorbringt, die als Ersatz für den Herrn dienen. Viele der Suchtverhalten werden durch diese Frage hilfreich gelöst. Sie erscheinen oft im Kontext mit Schwierigkeiten und Drucksituationen und funktionieren als falsche Zufluchtsorte.

11. Was oder wem vertrauen Sie? [11]

Vertrauen ist eines der bedeutendsten Verben, das Sie mit Gott in Beziehung bringt – oder mit falschen Göttern und Lügen. Die entscheidenden Psalmen atmen das Vertrauen in unseren Vater und Hirten. Wo platzieren Sie stattdessen Ihr Vertrauen bei der Führung und Festigung Ihres Lebens? In andere Menschen? In Ihre Fähigkeiten und Leistungen? In Ihre Gemeinde oder theologische Tradition? In Besitz? In Ernährung, Sport und medizinische Versorgung?

12. Wessen Leistung zählt? Auf wessen Schultern ruht das Wohlergehen Ihrer Welt? Wer kann es besser machen, zum Laufen bringen, es sicher machen, es erfolgreich machen? [12]

Dies zeigt Ihre Selbstgerechtigkeit oder das Leben durch Ihre Kinder oder das Festmachen der Hoffnungen darin, den richtigen Ehepartner zu finden usw.

13. Wem müssen Sie gefallen? Wessen Meinung über Sie zählt? Von wem wünschen Sie sich Anerkennung und wessen Ablehnung fürchten Sie? Wessen Wertesystem vergleichen Sie mit Ihrem eigenen? In wessen Augen leben Sie? Wessen Liebe und Anerkennung benötigen Sie? [13]

Wenn Sie Gott verlieren, betreten Sie einen Dschungel aus Verzerrung. Sie tendieren dazu, mit Ihrem Leben sich selbst oder anderen zu gefallen – oder beides. Die „gesellschaftlichen Götzen“ nehmen zahlreiche verschiedene Formen an: Annahme oder Ablehnung, eingeschlossen oder ausgeschlossen sein, Zustimmung oder Kritik, Zuneigung oder Feindschaft, Verehrung oder Herabsetzung, Vertrautheit oder Entfremdung, verstanden oder karikiert werden.

14. Wer sind Ihre Rollenmodelle? Welche Art von Person sollten Sie Ihrer Ansicht nach sein oder wollen Sie sein? [14]

Ihr “Götze” oder “Held” offenbart Sie. Solche Personen verkörpern das „Bild“, wonach Sie streben.

15. Wenn Sie auf dem Totenbett eine Lebensbilanz ziehen müssten, welche Dinge waren Ihrer Meinung nach der Mühe wert? Was gibt Ihrem Leben eine Bedeutung? [15]

Dies ist die Frage des Ekklesiastes. Dieses Buch (Prediger) untersucht die Punkte der Optionen – und befindet alle bis auf eine Option schließlich nutzlos. An einigen Punkten können Sie Prediger 2 in seine modernen Bezüge übersetzen!

16. Wie definieren und gewichten Sie Erfolg oder Scheitern, richtig oder falsch, wünschenswert oder unerwünscht, in jeder besonderen Situation? [16]

Die Standards, denen Sie dienen und die Sie beschäftigen, können ziellos verdreht sein. Gott will Ihr „Bewusstsein“ erneuern, mit welchem Sie sich und andere bewerten. Falls Sie sich dem Leben in Ihrem eigenen Verständnis oder mit Ihren eigenen Augen nähern, leben Sie wie ein Narr.

17. Was würde Sie sich reich, sicher, wohlhabend fühlen lassen? Was müssen Sie bekommen, damit das Leben schön ist? [17]

Die Bibel verwendet oft die Metapher des Schatzes oder des Erbes, um von Motivation zu sprechen.

18. Was brächte Ihnen größte Freude, Glück und Vergnügen? Den größten Schmerz und die größte Qual?[18]

Segen und Fluch sind die Art der Bibel, über Glück und Leid zu sprechen. Was überlegen Sie, wo und wie Sie Segen finden können? Ihre Überlegung offenbart, wofür Sie leben.

19. Welcher Politiker würde alles besser machen, wenn er an die Macht käme? [19]

Dies trifft vielleicht weniger auf Amerikaner als auf viele andere Nationen zu, wo Politik ein bedeutender Ort götzendienerischer Hoffnungen ist. Aber wie die kulturelle Übereinstimmung zusammenbricht, setzen immer mehr Menschen auf politische Macht.

20. Wessen Sieg oder Niederlage würde Sie glücklich machen? Wie definieren Sie Sieg und Niederlage? [20]

Wie offenbart das träge Selbstinteresse sich selbst? Manche Menschen „leben und sterben“ entsprechend der Leistung einer lokalen Sportmannschaft, dem finanziellen Endergebnis ihrer Firma, ihrem Notendurchschnitt oder ihrer körperlichen Erscheinung.

21. Was betrachten Sie als Ihre Rechte? Worauf glauben Sie ein Anrecht zu haben? [21]

Diese Frage beleuchtet oft sehr fein das Motivationsmuster zorniger, gekränkter, selbstgerechter und selbstmitleidiger Menschen. Unsere Rechtskultur verstärkt die Instinkte und Gewohnheiten des Fleisches. „Ich verdiene es_________”?

22. In welchen Situationen fühlen Sie sich unter Druck oder angespannt? Zuversichtlich und entspannt? Wohin wenden Sie sich, wenn Sie unter Druck stehen? Worüber denken Sie nach? Was sind Ihre Fluchtwege? Wovor fliehen Sie? [22]

Diese Frage kommt bei Gelegenheit aus einer etwas anderen Richtung. Oftmals sind gewisse Muster der Sünde situationsabhängig. Das Herausstellen der bedeutenden Aspekte der Situation kann den Motiven des Herzens einen Spiegel vorhalten. Wenn öffentliches Reden Sie angespannt macht, weil vielleicht Ihr Herz von der eigenen Leistung in den Augen anderer regiert wird (Menschenangst und Stolz). Wenn das Bezahlen von Rechnungen Angst bei Ihnen hervorruft, weil vielleicht eine gewisse Anbetung des Mammon in Ihnen wirkt.

23. Was wollen Sie vom Leben haben? Welche Belohnung wollen Sie für die Dinge, die Sie tun? “Was haben Sie davon, wenn Sie das tun?” [23]

Dies ist eine konkrete Art, die Fragen 3 und 8 neu zu formulieren und Ihre Leistungsziele herauszuarbeiten. Götzen, Lügen und Verlangen versprechen Annehmlichkeiten. Dienen Sie Baal, und er wird Ihnen Reichtum geben. Bringen Sie diesen gerissenen Kerl dazu, Sie zu mögen, und Sie werden sich selbst gut fühlen. Verdienen Sie $100.000, und Sie werden es allen Leuten zeigen, die immer dachten, dass Sie es nie im Leben zu etwas brächten.

24. Wofür beten Sie? [24]

Ihre Gebete offenbaren oftmals das Muster Ihrer Unausgewogenheit und Selbstbezogenheit. Worauf konzentrieren Sie sich bei all den vielen Dingen, um die Sie bitten können? Beim Gebet geht es um Verlangen; wir bitten um das, was wir wollen. Spiegeln Ihre Gebete die Wünsche Gottes oder die Wünsche des Fleisches wider?

25. Woran denken Sie am meisten? Was nimmt Sie in Besitz oder quält Sie? Wohin bewegt sich Ihr Geist instinktiv am frühen Morgen? Was ist Ihre „Denkart”? [25]

Halten Sie Ihrem Abdriften einen Spiegel vor, damit Sie Ihren Kurs neu einstellen können!

26. Worüber reden Sie? Was ist Ihnen wichtig? Welche Standpunkte vertreten Sie? [26]

Diese und die nächste Frage setzen die nächstmögliche Verbindung zwischen Motiven und Verhalten voraus. Achten Sie darauf, worüber die Leute reden wollen und wie sie es tun. Unsere Worte drücken aus, was unsere Herzen verehren.

27. Wie verbringen Sie Ihre Zeit? Was sind Ihre Prioritäten? [27]

Achten Sie darauf, was Sie und andere tun wollen. Dies ist ein Zeichen für die praktische Treue des Herzens.

28. Was sind Ihre charakteristischen Phantasien, seien sie angenehm oder schrecklich? Tagträume? Worum drehen sich Ihre Nachtträume? [28]

Wir sind immer noch verantwortliche Menschen, selbst wenn unser Bewusstsein mehr oder weniger ausgeschaltet ist. Ihre Muster von Sorge und Verlangen werden in Ihren Träumen offenbart.

29. Was sind Ihre praktischen Glaubenseinstellungen, die kontrollieren, wie Sie Ihr Leben interpretieren und festlegen, wie Sie handeln? [29]

Hebräer 4:12 spricht von den “Gedanken und Absichten” des Herzens. Vielleicht können wir das als „Glaubenshaltungen und Verlangen“ übersetzen. Sowohl die Lügen, die Sie glauben als auch die Lüste, denen Sie nachjagen, umschließen sichtbare Sünden. Der praktische Glaube eines Menschen kontrolliert die Reaktionen. Die Art, wie Sie Gott, sich selbst, andere, den Teufel, richtig und falsch, wahr und unwahr, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verstehen, hat eine beherrschende Wirkung.

30. Was sind Ihre Götzen oder falschen Götter? Worin setzen Sie Ihr Vertrauen oder Ihre Hoffnungen? Wohin wenden Sie sich oder wonach suchen Sie? Wo suchen Sie Zuflucht? Wer ist in Ihrer Welt der Retter, Richter, Kontrolleur, Versorger und Beschützer? Wem dienen Sie? Welche Stimme kontrolliert Sie?[30]

Diese komplette Liste von 35 Fragen beschäftigt sich mit Dingen, die sich um Gott drehen. Jede von ihnen kann metaphorisch als „Götze“ bezeichnet werden, dem Sie die Treue halten. Die Stimmen, denen Sie zuhören, um das zu tun, was sie wollen, spezifizieren die Charakteristika Gottes. Beginnen Sie, sich dies in allen Details in dem Leben auszumalen, das Sie bisher gelebt haben, und Ihre Fähigkeit, die vertikale Dimension relevant und spezifisch anzusprechen, wird sich entwickeln.

31. Wie leben Sie für sich selbst? [31]

Die ist eine allgemeine Art, all diese Fragen zu stellen. Das „Selbst“ nimmt tausend Formen an und trägt tausend Verkleidungen.

32. Wie leben Sie als Sklave des Teufels? [32]

Menschliche Motivation ist nicht rein “psychologisch”, „psychosozial“ oder „psychosozialsomatisch“. Wenn Sie den Lüsten und Lügen dienen, dienen Sie einem persönlichen Feind, der Sie täuschen, versklaven und töten will. Menschliche Motivation beruht gänzlich auf „Verträgen“. Sie können dem Teufel oder Gott dienen, aber irgendjemandem müssen Sie dienen, wie Bob Dylan es einmal sagte.

33. Wie sagen Sie stillschweigend: “Wenn ich nur .…” (bekommen könnten, was sie wollten, vermeiden könnten, was Sie wollten, behalten könnten, was Sie besitzen? [33]

Die “Wenn ich nur…” Sätze sind Phrasen, die viele Themen der Motivation im Interesse der Schaffung biblischen Selbstverständnisses und Buße enthüllen können.

34. Was erscheint Ihnen instinktiv richtig? Was sind Ihre Ansichten, Dinge, von denen Sie meinen, dass sie richtig sind? [34]

Sie haben nicht nur Lust, einige Dinge zu tun (siehe Frage 6 oben), sondern sie fühlen auch, dass bestimmte Dinge wahr sind. Im Gegensatz dazu ist Weisheit korrigierbar, wenn sie zuhört und lernt.

35. Wo finden Sie Ihre Identität? Wie definieren Sie, wer Sie sind? [35]

Die Bibel sagt radikale Dinge über Selbsterkenntnis, Identität und die Kategorien der Selbstbewertung („Bewusstsein“). Die Ort, an denen Menschen typischerweise nach ihrer Identität suchen, sind trockene Brunnen.

Diese Sammlung von Fragen bringt Sie zu einem fruchtbaren Denken darüber, wie das menschliche Leben umfassend in einer Beziehung zu Gott gelebt werden kann. Lassen Sie mich drei Punkte bekräftigen, die ich besonders hilfreich bei der Kompasspeilung meines Lebens fand, sowohl in der Seelsorge als auch bei der Buße über meine eigenen Sünden. Erstens ist meine Faustregel eine zweifache Frage: Welche Lügen und Lüste werden durch das sündige Muster des Lebens ausgedrückt? Forschen Sie unter der Reizbarkeit, der Selbstsucht, der Hoffnungslosigkeit, der Wirklichkeitsflucht, der Selbstgerechtigkeit, dem Selbstmitleid, den lähmenden Ängsten, dem Klagen – was immer – und Sie finden ein Mosaik spezifischer Lügen, denen Sie glauben und Verlangen, denen Sie nachjagen. Die Schrift versetzt Sie in die Lage, ihnen beizukommen und sie ins Licht zu ziehen.

Zweitens müssen die Verben, die Menschen mit Gott in Verbindung bringen, zu einem aktiven Teil Ihres Denkens werden. Menschen machen immer irgendetwas mit Gott. Menschen lieben Gott unweigerlich – oder sie lieben jemand anderen. Wir suchen Zuflucht bei Gott – oder jemand anderem. Wir setzen unsere Hoffnungen auf Gott – oder auf jemand anderen. Wir fürchten Gott – oder jemand anderen. Die Schrift wird in einer neuen Weise lebendig werden, wenn wir eine Wachsamkeit dafür entwickeln, wie die Verben der gottlosen Menschen im wahren Leben eine Rolle spielen. Solch eine Perspektive gewährt mächtige einsichten sowohl für die evangelistische Seelsorge als auch, wenn es darum geht, das Wachstum der Heiligen zu fördern.

Drittens sehen Sie bei der Gottbezogenheit all Ihrer Motive und was mit Ihnen falsch läuft, den Ruf zu einer gottbezogenen Lösung: die Herrlichkeit, der Friede, die Macht und die Gegenwart Jesu Christi. Bei der menschlichen Motivation geht es um die vertikale Dimension. Die Gute Nachricht Christi ist kein Zusatz, keine religiös gefärbte Art, vorhandenen Wünschen und Bedürfnissen zu begegnen. Der lebendige Glaube an Jesus Christus ist die einzige gesunde Motivation, die radikale Alternative zu tausend Formen der Abweichung.

Heiligung hat das Ziel, Seele und Leib zu reinigen, sowohl die Motive als auch das Verhalten zu ändern. Auf beide kommt es an. Stellen Sie sich vor, auf einem Hügel zu sitzen und über einen See zu schauen. Sie sehen einem Rennboot zu, wie es über das Wasser fährt. Sie sehen und hören sein „Verhalten“: es beschleunigt vom Dock aus, macht eine große Schleife, produziert mit hoher Geschwindigkeit eine riesige Welle, stellt plötzlich den Motor aus, gleitet durch das seichte Wasser zu einer kleinen Insel, wirft einen Anker über Bord. Warum hat es sich so verhalten? Falls Sie näher heranzoomen könnten, erführen Sie etwas über seine Motive. Sie fänden heraus, was dieses Boot angetrieben und gesteuert hat: ein innen liegender V8-Motor mit 200 PS, ein Ruder und ein Lenkrad, die Gedanken und Absichten des Piloten. Warum fuhr das Boot zur Insel? Um einen vergrabenen Schatz zu finden? Um die Familie zu einem Picknick mitzunehmen? Um mit dem Boot eine Testfahrt vor einem möglichen Kauf zu unternehmen? Um einen Passanten anzuhalten, weil es kein Benzin mehr hatte? Um das Rennboot komplett zu verstehen und ihm zu helfen, müssen wir sowohl über die sichtbaren als auch die unsichtbaren Dinge, das Verhalten und die Motive, reden. Die Bibel spricht über Ergebnisse und Gründe. Um das Rennboot zu „beraten“ und zu bewerten, müssen Sie allem nachgehen, was Sie in Erfahrung bringen können.

Der Kenner der Herzen vergilt jedem Menschen nach seinen Taten (Jer. 17:10). Die Schrift teilt niemals Motiv und Verhalten. Der Spiegel der Schrift deckt beides auf. Das Licht der Schrift führt beide. Die Herrlichkeit und Macht Jesu Christi ändert sowohl die Wurzel als auch die Frucht. Das erste Gebot wendet sich an die Wurzel unserer Motivation: Lieben Sie Gott mit Ihrem ganzen Herzen, Ihrer Seele, Ihrem Verstand und all Ihrer Kraft? Oder teilt und stiehlt etwas Ihre Zuneigung? Das zweite Gebot wendet sich an die Früchte des Verhaltens: Lieben Sie Ihren Nächsten wie sich selbst? Oder missbrauchen, schikanieren, ängstigen, vermeiden, hassen, ignorieren Sie Ihren Nächsten? Das Evangelium schlägt eine Brücke von der Dunkelheit zum Licht. Die Gnade befreit uns von unserem steinernen Herzen und lehrt uns, Gott zu kennen; Gnade ersetzt die Hände und Zungen, die böse Werke tun und lehrt uns, ein immer schöneres Leben zu führen.

Jede dieser 35 Fragen kann einer Person direkt oder in einer veränderten und angemessenen Form gestellt werden. Aber sie sind nicht immer Fragen, die direkt zu stellen sind. Manchmal ist es besser, einfach zuzuhören und zu beobachten, sich durch die Frucht im Leben einer Person zu arbeiten, um an die Muster zu gelangen, die die funktionierenden Bindungen des Herzens anzeigt. Ich erinnere mich an einen Mann, der zu mir in die Seelsorge kam, der sich jedes Mal, wenn er zu spät erschien, überschwänglich mit augenscheinlicher Bedrückung und Unruhe entschuldigte. Diese kleinen Teile passten mit anderen Dingen des Puzzles zusammen, die bis dahin noch keine große Rolle in unseren seelsorgerlichen Gesprächen gespielt hatten. Wie sich herausstellte, kam er zu spät, weil er sich nicht von anderen Menschen, von Telefonanrufen oder Besuchern, lösen konnte, da er Angst hatte, sie würden ihn nicht mehr mögen. Er entschuldigte sich überschwänglich bei mir, weil er Angst hatte, dass ich ihn nicht mehr mögen könnte. Er hatte nur sehr wenig Gleichrangige, und er idealisierte die höher stehenden Menschen oder er verachtete die unter ihm stehenden Leute. Diese winzigen Teile der Frucht – die Gründe für das zu späte Erscheinen, die momentane Unruhe, die überzogene Entschuldigung, die polarisierte Sicht auf andere – führte uns in das Muster, das sein Leben beherrschte: die Menschen erschienen zu groß und Gott zu klein (Sprüche 29:25). Die Verflechtung von Stolz und Menschenangst ist eine grundlegende Unordnung in unseren durcheinander geratenen Herzen. Und das führte uns direkt zu unserem vertrauenswürdigen Jesus Christus. Erklärungen sind Hinweise für Lösungen. Dieser Mann fand Vergebung und die Kraft, einem neuen Herrn zu vertrauen. Er lernte, praktische Veränderungen anzuwenden. Anstelle von Duckmäuserei und Überheblichkeit begann er, Menschen mit wachsendem Realismus und Sensibilität zu lieben, als er wuchs, um zu erkennen, dass andere Menschen sich im Grunde nicht von ihm unterschieden.

Lassen Sie mich mit einer letzten Fallstudie schließen. Ich hatte einmal einen Mann in der Seelsorge, der den Drucksituationen des Lebens durch Fernsehen, Essen, Videospiele, Alkohol, Pornografie, Antiquitäten sammeln, Sciencefiction-Romane, und dem Besuch von Fitnessstudios entfliehen wollte. Er vernachlässigte seine Frau und seine Kinder; er war nachlässig in seinem Beruf; in der Kommunikation mit anderen war er ausweichend und hinterlistig; er kam nur zur schau in die Gemeinde. Wo sollte ich anfangen? Es gab so viele Probleme, so viele Sünden der Tat und der Unterlassung. Wie konnte ich seine Probleme packen? Ich war mir nicht sicher, womit ich beginnen sollte. Dann hatte ich eine Idee: Versuch’ die Psalmen – als Ganzes! Beinahe jeder einzelne Psalm porträtiert den Herrn in der einen oder anderen Weise als unsere Zuflucht in Schwierigkeiten, als die Mitte unserer Hoffnungen. Die Psalmen rügen uns, entweder stillschweigend oder ausdrücklich, wenn wir woanders Zuflucht suchen; die Psalmen bieten eine unerschütterliche Liebe und Gnade; die Psalmen spornen uns dazu an, Gott in den Einschnitten des Lebens zu kennen und zu gehorchen. Dieser Mann fühlte sich vage schuldig für einige seiner schlechten Verhaltensweisen. Aber er sah nicht das Muster der Ernsthaftigkeit dessen, wofür er lebte. Er verlangte nach Bequemlichkeit, Kontrolle, Wohlgefühl – und er drückte sein Verlangen in Dutzenden von Wegen aus. Seine Bemühungen um Veränderung waren unausgegoren und erfolglos. Die Überführung der besonderen Sünde seines Herzens – die Abkehr von Gott, um Zuflucht bei anderen Götzen zu suchen – weckte ihn auf, und er begann seine Verhaltenssünden in einem neuen Licht zu sehen. Sein Bedürfnis für das, was Gott ihm anbot – Gnade um Gnade, für ein Leben des Glaubens, das durch Liebe wirkt – begann in ihm zu brennen. Als das Licht auf seine Verhaltensmuster fiel, begann er sogar, einige kleine Fluchttricks zu identifizieren, die ihm zuvor nie ins Bewusstsein gekommen waren und die er zuvor niemals mit den mehr offensichtlichen Sünden in Verbindung gebracht hätte: z. B. die Art, wie er Humor (miss)brauchte oder wie er subtile Entschuldigungen für sich selbst erfand oder wie er sich selbst bemitleidete. Gott schien weit weg zu Beginn dieses Prozesses, als er in dichten Nebel gehüllt war; Gott erschien sehr, sehr nahe, relevant und begehrenswert, als der Prozess sich entwickelte. Die Gnade Christi wurde sehr real und notwendig. Er ließ sich zu praktischen Änderungen motivieren – sich den Drucksituationen und Verantwortlichkeiten zu stellen, sowie andere Menschen zur Herrlichkeit Gottes zu lieben.



Diese Ausgabe von JBC enthält eine Mischung aus Ideen und Hilfen, von denen ich glaube, dass Sie sie anregend und ermutigend empfinden, sowohl in Ihrem eigenen Denken als auch in Ihrem Dienst für andere. Unsere ersten beiden Artikel behandeln das Thema, wie greifbare Liebe sich im seelsorgerlichen Dienst ausdrückt. Wort und Tat kooperieren. In „Seelsorge für Kinder“ (mit einem Vorwort von Paul Tripp) diskutiert und illustriert Earl Cook, wie die Liebe und das Vertrauen auf Christus an unsere Jüngsten weitergegeben werden kann. Sie werden in seinen Kommentaren ein tiefes, praktisches Engagement sehen, in die Welt der Kinder einzutreten. Seine Handlungen und Einstellungen verkörpern die außerordentliche Liebe und das Vertrauen, die aus seinen Worten sprechen.

“Seelsorge mit einem erweiterten Dienst” enthält ein Interview mit John Babler und bietet einen Einblick in eine andere Art des personifizierten Dienstes. Babler beschreibt, wie die Liebe für Menschen sie an den Punkten ihrer körperlichen, materiellen und sozialen Nöte trifft und auf diese Weise starke Zusammenhänge für persönliche Evangelisierung und Jüngerschaft herstellt.

Unsere nächsten beiden Artikel bieten Fallstudien in Apologetik, und sie interagieren mit verschiedenen führenden Ideen der psychologischen Kultur, die in der westlichen Welt vorherrschen. John Babler bewertet die Kategorien des DSM-IV, der “Bibel” der psychiatrischen Diagnose. Sein „Eine biblische Kritik des DSM-IV“ zeigt, wie Symptome, die anscheinend von jemandem einen psychiatrischen Aufdruck bekommen haben, in direkter Weise durch die Linse des Wortes Gottes verstanden werden können.

Alfred Poirier’s “Die Herausforderung annehmen” antwortet auf die häufig wiederholte Forderung, dass ein wirksames, Gott ehrendes Seelsorgemodell aus den Materialien der sozialwissenschaftlichen Forschung herausgenommen werden kann (und muss). Poirier zeigt, wie die besten Beispiele der “Integrationisten” in Theorie und Praxis bei der gesunden pastoralen Theologie systematisch zu kurz greifen.

In „Lass’ mich ein Bild malen“ porträtiert Dana Stoddard die Kerndynamik des christlichen Lebens, der „von-nach“ Zyklus von Buße, Glauben und neuem Gehorsam. Viele von denen, die Sie seelsorgerlich beraten, bleiben in einer Form von Perfektionismus oder einer Idealisierung der christlichen Lebensart und der Erfahrung stecken. Stoddard beschreibt realistisch den Wachstumsprozess.

Unsere Abteilung für den öffentlichen Dienst enthält eine Karfreitagspredigt des späten Ray Dillard. Er beschreibt vor unseren Augen den Zorneskelch, den Jesus an unserer statt getrunken hat.

Wir haben zwei Buchrezensionen: Worthington und McMurry’s Ehekonflikte aus David Benner’s Reihe über die kurzzeitige, pastorale Seelsorge sowie eine Gruppe von Büchern, die von Plough Publications herausgegeben wurden und die die Themen Vergebung, sexuelle Reinheit und Jüngerschaft behandeln.

Das JBC bringt regelmäßig eine kommentierte Bibliografie von Büchern heraus, die von Autoren geschrieben wurden, die sich einer Seelsorgeentwicklung verschrieben haben, die Jesus Christus verherrlicht, indem sie aus dem Wort Gottes heraus gebildet wurde, und die gesunde theologische Betrachtung und kundige pastorale Praktik enthält. Dies ist die vierte einer solchen Bibliografie.

Schließlich packt John Bettler in “Fragen und Kontroversen” die Frage der Eifersucht an, und wie es kommt, dass dieses Gefühl, so leicht von der Sünde verdreht, zu einem entscheidenden Teil ehelicher Liebe wird, wenn es richtig orientiert ist.

Referenzen

  1. Matthäus 22:37-39; 2. Timotheus 3:2-4; Lukas 16:13-14.
  2. Galater 5:16-25; Epheser 2:3, 4:22; 2. Timotheus 2:22; Titus 3:3; 1. Petrus 1:14, 2:11, 4:2; 2. Petrus 1:4, 2:10; Jakobus 1:14-15, 4:1- 3; Sprüche 10:3, 10:28, 11:6-7; Psalm 17:14-15, 73:23-28.
  3. Matthäus 6:32-33; 2. Timotheus 2:22.
  4. 1. Petrus 1:13; 1. Timotheus 6:17.
  5. Matthäus 6:25-32, 13:22.
  6. Siehe Fußnote 2.
  7. Matthäus 6:8-15, 6:25-32; 1. Könige 3:5-14; alle Gebete in der Bibel drücken neu orientierte, gefühlte Bedürfnisse aus.
  8. Siehe Fußnote 3.
  9. Jesaja 1:29-30; 50:10-11; Jeremia 2:13, 17:13; Matthäus 4:4, 5:6; Johannes 4:32-34, 6:25-69.
  10. Psalmen 23, 27, 31, 46 und etwa zwei Drittel der restlichen Psalmen.
  11. Sprüche 3:5, 11:28, 12:15; Psalmen 23, 103, 131.
  12. Philipper 1:6, 2:13, 3:3-11, 4:13; Psalm 49:13; Jeremia 17:1- 14.
  13. Sprüche 1:7, 9:10, 29:25; Johannes 12:43; 1. Korinther 4:3-5; 2. Korinther 10:18. Die Bibel benutzt oftmals die Metapher eines Schatzes oder einer Erbschaft, wenn sie von Motivation spricht.
  14. Römer 8:29; Epheser 4:24; Kolosser 3:10.
  15. Prediger
  16. 1. Korinther 10:24-27; Sprüche 3:5; Richter 21:25
  17. Sprüche 3:13-18, 8:10f, 8:17-21; Matthäus 6:19-21, 13:45-46; Lukas 16:10-15; 1. Petrus 1:2-7.
  18. Matthäus 5:3-11; Psalmen 1, 35; Jeremia 17:7-8; Lukas 6:27-42.
  19. Matthäus 6:10.
  20. Römer 8:37-39; Offenbarung 2:7, etc.; Psalmen 96-99.
  21. 1. Korinther 9; Römer 5:6-10; Psalm 103:10.
  22. Siehe Dutzende von Psalmen, die von Zuflucht handeln.
  23. Sprüche 3:13-18; Matthäus 6:1-5, 16-18.
  24. Jakobus 4:3; Matthäus 6:5-15; Lukas 18:9-14.
  25. Kolosser 3:1-5; Philipper 3:19; Römer 8:5-16.
  26. Lukas 6:45; Sprüche 10:19; Epheser 4:29.
  27. Sprüche 1:16, 10:4, 23:19-21, 24:33.
  28. Prediger 5:3-7; siehe Fußnoten 2 und 5.
  29. Siehe die gesamte Bibel, wenn Gott versucht, verdunkelte Geister von der Falschheit zu erneuern.
  30. Siehe die gesamte Bibel, wenn Gott versucht, Menschen von Götzen zu befreien, damit sie dem lebenden und wahren Gott dienen können; Ezekiel 14:1-8; Apostelgeschichte 26:18; Kolosser 3:5; Epheser 5:5; 1. Thessalonicher 1:9f; 1 Johannes 5:21; Jeremia 17:5; Jakobus 4:11-12.
  31. Lukas 9:23-25; 2. Korinther 5:14f.
  32. Johannes 8:44; Apostelgeschichte 26:18; Epheser 2:2-3; 2. Timotheus 2:26; Jakobus 3:14-16. 33, 1. Könige 21:1-7; Hebräer 11:25; Philipper 3:4-11.
  33. 1. Könige 21:1-7; Hebräer 11:25; Philipper 3:4-11.
  34. Richter 21:25; Sprüche 3:5, 3:7, 12:15, 14:12, 18:2; Jesaja 53:6; Philipper 3:19; Römer 16:18.
  35. Nehmen Sie als Beispiel den Epheserbrief, und achten Sie auf jedes Wort oder jede Phrase, welche die “Identität” beschreibt, sowohl, was Paulus selbst betrifft, als auch, wer wir sein sollten oder wer wir jetzt gerade sind. Sie finden über 30 verschiedene Aussagen in diesem kurzen Brief.